Donnerstag, 19. März 2015

Grundsatzfragen: Kokospfannkuchen mit Gemüsefüllung, Linsencurry und Kokos-Topping nach Tanja Grandits


Es ist ein bisschen wie Tagebuchlesen – in den Bänden von vor drei, fünf, zehn Jahren. Was man gemacht hat, gedacht! Was man aufgeschrieben hat und wie! Was einem wichtig war – wer!
Machen wir uns nichts vor: auch, wenn das Ganze mitunter höchst aufschlussreich ist, und man Dinge entdeckt, von denen man nicht geahnt hätte, wie sehr sie zu einem gehören – in der Regel ist diese Lektüre vor allem eines: hochnotpeinlich. Nicht umsonst ist ein Teil meiner Sammlung in die ewigen Jagdgründe eingegangen (so analog und auf Papier ist da ja alles kein Problem).

Aber wie ist das in einem Blog? Was macht man mit Rezepten, an deren Geschmack man sich nicht mehr auch nur entfernt erinnert? Was mit Texten, bei denen man sich fragt, ob man allen Ernstes selbst...? Ohje, und dann die Bilder...!

Wie schon vor einem Jahr sichte ich, sortiere – in einer Art von digitalem Frühjahrsputz. Die schlimmsten Fotoverbrechen werden beseitigt (oder zumindest gemildert), die ärgsten Stilblüten getilgt. Formfehler lassen sich mit ein bisschen Geduld ausmerzen, Ungenauigkeiten auch. Aber was ist mit dem, was nicht halb so eindeutig ist?

Mein Geschmack hat sich verändert, in vielerlei Hinsicht. Das meiste von dem was es damals – zu Beginn dieses Blogs – gegeben hat, würde ich so nicht mehr servieren. Ich habe andere Ansprüche an Raffinesse, Ästhetik, an das Wie und Warum. Bloggen um des Bloggens Willen reicht (mir) nicht mehr, leider. Die meisten der Uneindeutigen fußen aber genau darin: Posts, weil mal wieder ein Post fällig war – egal, ob das Gericht etwas taugt, der Text, die Fotos.

Sicher: Zum Lernen war das alles nötig und auch jetzt bin ich nicht vor jeder Eitelkeit gefeit. Überhaupt bin ich bestimmt nicht die Erste und Einzige, die ihre digitale Dependance so beäugt. Aber welche Schlüsse zieht man daraus? Soll und kann ich hier so aufräumen, wie ich es jenseits des Netzes so mag – also radikal all das entrümpeln, was meinen Vorstellungen nicht mehr entspricht? Oder wäre das eine Form von Eigenzensur, die dem Ganzen hier mehr schadet als nützt? Zumal: wer scrollt/klickt schon weiter als bis Seite drei?

Vom Koch Hans Stucki liest man, er habe in seinem Restaurant in Basel nur das serviert, was er selber gern isst – vermutlich bei wechselnder Karte. Das ist eine Einstellung, die mir sehr sympathisch ist (und von der ich mich frage, ob sie so ungewöhnlich ist, dass man sie explizit erwähnen muss?).
Damit zwar (noch) keine Antwort auf meine Frage, aber immerhin eine halbelegante Überleitung zu diesem Rezept: Tanja Grandits, die Stuckis Nachfolgern in Basel ist, hat es in ihr Buch „Gewürze“ geschrieben, wo es Eva entdeckte, bei der ich es fand. Um es dann viel zu lange liegen zu lassen. Dabei stimmt hier alles: Die Pfannkuchen sind samtig, das Gemüse ist knackig, das Curry rund und hocharomatisch. Alles zusammen, bestreut mir dem GRANDIOSEN Chutney/Topping aus Kokoschips, Knoblauch, Ingwer, Chili, Zitronensaft, Zucker und Fischsauce ist eine einzige, ausdrückliche Empfehlung.


Kokospfannkuchen mit Gemüsefüllung, Linsencurry und Kokos-Topping

nach Tanja Grandits: „Gewürze“*, hier via kochpoetin

Zutaten für zwei große oder drei kleine Portionen

KOKOS-TOPPING
25g Kokoschips
¼ Knoblauchzehe
4g Ingwer**
1 kl. rote Chili
eine Prise Kurkuma
Saft einer halben Zitronen
½ TL Fischsauce
½ TL Zucker

KOKOSPFANNKUCHEN
60g Reismehl
100g Kokosmilch
15ml Wasser
½ TL Fischsauce
½ TL Sesamöl
2 Eier

LINSENCURRY
150g rote Linsen
2 EL Sesamöl
1 EL Senfkörner (hier: braune, wahlweise: 1 TL Dijon-Senf)
2 Kardamomkapseln
¾ Knoblauchzehe
1 mittelgroße Zwiebel
1 Stängel Zitronengras
20g Ingwer**
1 TL rote Currypaste (original: 1 EL milde gelbe Currypaste + eine fein gehackte Chilischote)
½ TL gemahlener Kurkuma
150g Kokosmilch
3 EL gehackte Korianderblätter***
grobes Meersalz

GEMÜSEFÜLLUNG
225g Chinakohl (ca. ¼ von einem kleinen Kohl)
75–100g Zuckerschoten
1 Möhre
4g Ingwer*
2 EL gehackte Korianderblätter**
1 Erdnussöl (hier: Sesamöl)
1 EL Sojasauce

**insgesamt ca. 25-30g
*** insgesamt ca. ein halbes Bund


So geht's
Es empfiehlt sich ein Mise en place: Eine Knolle Ingwer (ca. 25-30g) schälen und fein hacken. Davon gehen je vier Gramm in Topping und Gemüsefüllung und der Rest ins Curry. Für das Topping Chilischote entkernen und fein hacken. Zitrone auspressen und Saft auffangen. Eine Knoblauchzehe schälen und ein Viertel davon fein hacken. Übrige Zehe für das Curry zusammen mit ca. ¼ TL grobem Meersalz und den ausgelösten Kernen der Kardamomkapseln zu einer groben Paste mörsern. Zwiebel schälen und fein würfeln. Zitronengras an den Enden kappen, äußerstes Blatt entfernen und in feinste Ringe schneiden.
Für das Gemüse: Möhre schälen und in dünne Julienne schneiden. Zuckerschoten abspülen, trockentupfen, ggf. putzen und ebenfalls in dünne Julienne schneiden. Äußere Blätter des Chinakohls entfernen, Rest in feine Streifen schneiden.

Für das Topping Kokoschips ohne Fett in einer beschichteten Pfanne leicht bräunen. Herausnehmen und in einer Schüssel etwas abkühlen lassen. Mit den übrigen Zutaten mischen.

Für die Pfannkuchen alle Zutaten in einer Schüssel verquirlen. Die beschichtete Pfanne auf Betriebstemperatur bringen und nacheinander ohne Bräunen dünne Pfannkuchen backen – hier waren's fünf. Auf einem Teller unter einem feuchten Küchentuch bei 50°C im Ofen warmhalten.

Für das Curry Linsen mit Wasser in einen kleinen Topf geben, aufsetzen und acht Minuten köcheln lassen (Zeitmessung ab Aufsetzen, sonst werden sie matschig). Durch ein Sieb abgießen, mit kaltem Wasser abschrecken.
Sesamöl im ausgespülten und getrockneten Topf erhitzen und darin Kardamom-Knoblauch-Paste, Senfaat (wahlweise und auch mit gutem Ergebnis getestet: Dijon-Senf), Zwiebelwürfel, Ingwer und Zitronengras unter Rühren drei Minuten rösten. Currypaste und Kurkuma zugeben und kurz mitrösten. Mit Kokosmilch ablöschen und 15 Minuten leise köcheln lassen.
Währenddessen die Gemüsejulienne in der Pfanne mit den übrigen Zutaten über mittlerer Flamme pfannenrühren, bis das Gemüse die gewünschte Konsistenz hat.

Schließlich Linsen und Koriander unter das Curry heben, mit grobem Meersalz abschmecken und kurz ziehen lassen.

Das Finish: Pfannkuchen auf dem unteren Drittel mit Gemüse belegen, Seiten einschlagen und aufrollen. Halbieren und auf je einer Portion Linsencurry platzieren. Mit Topping bestreuen.

*Amazon Affiliate Link

Kommentare :

  1. Ich finde das Foto völlig in Ordnung. Was du immer hast. Tststs. ;-)
    Freut mich sehr, dass es euch so gut geschmeckt hat! Und in dem Buch von Frau Grandits sind noch etliche so gute Rezepte, zwar nicht alle vegetarisch, aber doch mit eher wenig Fleisch. Einige habe ich auch gepostet.
    Und zur Grundsatzfrage: ich bin beim Entrümpeln auch recht radikal, habe schon vor Jahren meine alten "Schriften" in die Tonne geschmissen - und es nicht bereut. Im Blog bin ich, wie du, weniger radikal. Es dokumentiert halt auch eine Art Entwicklung. Wobei. Ganz schlimme Artikel habe ich für die Grundrezepte auch schon gelöscht...
    Liebe Grüße,
    Eva

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    1. Der Kerl hat herzlich gelacht, als ich ihm erklärt habe, dass das hier ja wohl mein Blog sei und ich also tun und löschen kann, was ich will. Er ist eher der Meinung, dass man ja auch "an die anderen" denken müsse, an deren Vorlieben und Geschmack. Aber ich glaube, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist...

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  2. Ich muss gestehen, dass ich auch einige sehr alte Posts wieder gelöscht habe. Einfach, weil sie graunvoll waren. Die weniger schlimmen lasse ich stehen und muss kochpoetin da Recht geben - irgendwo zeigen sie ja, dass man sich super weiterentwickelt hat ;)

    Deine Kokospfannkuchen sehen auf jeden Fall großartig aus und werden auf jeden Fall mal nachgemacht!

    Liebe Grüße!
    Liv

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    1. Gut zu wissen, dass man nicht alleine ist!
      Und: Tu' das – es lohnt!

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  3. Oha, klingt sehr gut, Rezept sollte ich definitiv nachmachen.

    Beim Blogarchiv steh ich eher auf der Seite - So sieht Entwicklung halt aus. Nein, ich würde das SO, wie ich es vor ach Jahren definitiv nicht mehr posten/fotografieren und vielleicht auch nicht mehr essen. Aber löschen würd ichs nicht. Irgendwie gehörts zur Geschichte (und ob jemand wirklich 8 Jahre zurückscrollt, na das sei mal dahingestellt). Aber dein Blog ist dein Blog und du kannst tun und lassen was du magst, das ist doch das Schöne dran. :).
    Liebe Grüße,
    Kathi

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    1. Oh ja!
      Richtig – aber jede Katastrophe muss ich wirklich nicht aufbewahren... ;)

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  4. Davon hätt ich jetzt gern ein paar.. Sehen richtig lecker aus!
    LG
    Ela

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    1. Oh, das waren sie... ich müsste mal wieder!

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