Dienstag, 29. Juli 2014

Standbild

Diese Aussicht hat, wer die Balkontür öffnet und nach draußen tritt. Verhangen und feucht am Morgen, tagsüber scharf und klar, interessant bei Gewitter.

Dahinter lichten sich die Nebel. Karton um Karton wird geleert und für ihren Inhalt neuer Platz gesucht, gefunden. In der neuen Dependance im Süden.

Für mich gelegentlich auf Zeit, für den Kerl auf weiteres.

Beizeiten mehr.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Blaupause: Erbsen-Pistazien-Ravioli mit Pesto


Wie viele Wege es gäbe, diesen Text zu beginnen.
Ich könnte mit dem Kerl anfangen, wie er im Supermarkt steht und mir triumphierend ein kleines Tütchen entgegenstreckt. „Da!“, sagt er, „echte Pinienkerne!“, und strahlt. Und tatsächlich: Keine schwarzen Spitzen, keine Tropfenform, sondern schöne schlanke, zartbeige Kernchen. Obendrein bio. „Was sollen die denn kosten?“, will ich wissen, aber der Kerl zuckt mit den Schultern. „Steht da nicht.“ Und wieder hat er recht. „Na“, sage ich, „probieren wir's“, und stelle mich an die Kasse.
Ich könnte erzählen, wie mir da kurz ein wenig anders ward ob der stolzen Preisanzeige. Und wie ich dem Essen drohte, bloß auch zu schmecken, denn das letzte Desaster war noch nicht lange her.

Auch davon könnte ich erzählen, dem Inbegriff veganen Vorurteils. Als sogar die eigentlich idiotensichere Tomatensauce misslang und damit perfekt zum Tofu passte – eine Liaison aromatischen Nihilismus'. Die der Kerl stoisch ertrug.

Möglicherweise sollte ich mit dem Kampf beginnen, den ich mit dem Nudelteig focht. Den mit der Waage. Küchenschere. All' dem Chaos um mich her. An einem Tag, der mit einer Beule begann, in Kabbeleien überging und in diesem Schlachtfeld mündete.

Aber vielleicht sollte ich besser von diesem Essen erzählen. Das tatsächlich irgendwann auf dem Teller lag. Und von da ein bisschen Anlauf nahm, einen Bissen lang, zwei. Um dann ganz langsam, ganz leise ganz vorzüglich zu schmecken. Weil das Pesto mit den Pinienkernen die Erbsen unterstütze und das Basilikum sich hervorragend mit den Pistazien vertrug und alldem überhaupt endlich das gelang, was dem ganzen Tag gefehlt hatte: Ruhe. Zufriedenheit. Eine ganz angenehme Sättigung.

Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, seit die Krautköpfe diese Erbsen-Pistazien-Ravioli vorgelegt haben. Und es wird bestimmt nicht lange dauern, bis wir sie wiederholen. Denn auch der Kerl war in höchstem Maße angetan, nicht zuletzt vom herrlich simplen Pesto.
Von dem übrigens einiges übrig geblieben ist, genau wie von der großzügig bemessenen Menge Teig. Ich lasse das alles aber so. Denn von den Resten macht man eben nochmal Nudeln mit Pesto. Auf dass sie genauso ruhig, satt und zufrieden machen mögen.

Montag, 7. Juli 2014

Let's twist again: Sushi Bowl mit Meeresfrüchten, Wan Tan-Chips, Grünzeug und scharfer Mayo

Was genau an dieser Schüssel kalifornisch ist, weiß ich gar nicht so richtig. Laut Wikipedia gehört in eine standesgemäße California Roll schließlich vor allem Avocado, und von der ist hier (ausnahmsweise) keine Spur.

Dabei kann ich schon sagen, was an dieser Schüssel kalifornisch ist – nämlich der Umstand, dass ich genau da, namentlich in San Francisco, zum ersten Mal an eine Sushi Bowl geriet. Im Untergeschoss einer der Malls an der Market Street wurde mir derlei serviert – zu meinem nachhaltigen Entzücken.

Mein erster Nachbau hat inzwischen gut zwei Jahre auf dem Buckel, die Älteren erinnern sich. Ein kleines Update, oder um es mit Foodgawker zu sagen: „a twist“, kann also nicht schaden.
Ein bisschen amerikanischer dank Mayo, ein bisschen spannender dank Wan Tan-Chips und ein bisschen schneller, weil nichts ewig marinieren muss.

Sicher: Große Kochkunst geht anders. Aber genau darum passt es so prima in diese Tage – wo man Herd und Ofen nur in den allergrößten Notfällen anwirft und überhaupt seine Zeit überall verbringen mag, bloß nicht in geschlossenen Räumen.