Donnerstag, 6. November 2014

Schwein auf Eis – oder: Khao soi aka Crack Slurp aka Reisnudeln mit Aromasauce und Knusper obendrauf


Meine Idee vom perfekten Abendessen war eher vage: Reisnudeln könnten durchaus was sein, gern auch in Kombination mit Kokosmilch. Vielleicht Hackfleisch. Oder Fisch?
Das Pinterest-Sammelsurium half da nicht wirklich weiter: Für das Eine fehlten gefühlte 2736 Zutaten, außerdem würde sich die Begeisterung des Kerls in Grenzen halten. Für anderes war ich zu faul.

Überhaupt war ich faul. So faul, dass ich kurz davor war, Monsieur zu fragen, ob wir den geplanten Auswärts-Abend nicht spontan um 'ne halbe Woche vorverlegen wollten. Halbherzig tippte ich noch „rice noodles“ in die Foodgawker-Suchmaske. Scrollte, scrollte... wollte das Ganze schon wieder schließen, als ich Seite Fünf erreichte: Reisnudeln mit Kokos-Currysauce, Hackfleisch und einer Mischung aus knusprig frittierten Schweinespeckwürfelchen, Knoblauch und Schalotten. Eins dieser Lady-and-Pups-Rezepte, an denen ich schon in der Vergangenheit immer wieder hängen geblieben war, weil es so gottverdammt gut aussieht. So gut, dass man bereit ist, (fast) alle Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, nur, damit genau das später auf dem Teller liegt. Blöd, dass man gefrorene Schweineschwarte braucht.

Gefrorene Schweineschwarte?
Ahaha! Aber genau die lag doch noch im Tiefkühlschrank! Rest des letzten kulinarischen Ausflugs nach Asien, als das nötige Stück Schwein ein bisschen zu viel Speck auf den Muskeln hatte. Kann ich ja nicht wegtun, sowas, selbst, wenn ich gar nicht so richtig weiß, was ich damit anfangen will. Und dann kommt Mandy Lee und will: gefrorene Schweineschwarte!

Das Ganze ist – ja, doch: ein Kracher: die cremige, durch und durch aromatische Sauce, die weichen Nudeln, das knusprige Gebrösel obendrauf. Kerl begeistert, Köchin begeistert – ein Königreich für Schweineschwarten! Und Zufallsfunde.



Khao Soi aka Crack Slurp

frei nach Lady and Pups

Zutaten für zwei hungrige Personen

CRACK
75g Schwarte vom Schwein
2 Schalotten, ca. 65g
2 große Knoblauchzehen
Sichuan-Pfeffer
Salz

SAUCE
1 fingerdickes Stück Ingwer, ca. 4-5cm lang
200ml Kokosmilch
115ml Gemüsebrühe
2 EL Fischsauce
1 EL Sojasauce
1 EL Dijon-Senf
1 TL Currypulver
½ TL frisch gemahlener Sichuan-Pfeffer
1 TL Zucker
2 EL Koriander
2 EL Minze

AUSSERDEM
175g Hackfleisch (hier: gemischt)
1 ½ EL Currypaste (hier: rot, original: gelb)
200g breite Reisnudeln
½ Limette


So geht’s
Ob sie dazu nun unbedingt gefroren sein muss oder nicht (ich glaube, es geht auch so): Schweineschwarte möglichst klein würfeln. Schalotten schälen, halbieren und in dünne Ringe schneiden. Knoblauch schälen und fein würfeln.

Schwarte in einer Pfanne über mittlerer Hitze auslassen und so lange brutzeln lassen, bis die Würfelchen goldbraun und knusprig sind. Pfanneninhalt durch ein Sieb in eine Schüssel schütten, sodass das Fett aufgefangen wird. Abtropfen lassen und die knusprigen Schwartenwürfelchen in eine andere Schüssel geben.
Fett wieder in die Pfanne schütten und die Schalotten darin ebenfalls knusprig-braun schmurgeln – das kann dauern, 10-20 Minuten bestimmt. Anschließend Pfanneninhalt wieder durch das Sieb geben, Fett auffangen, abtropfen lassen und die knusprigen Schalotten schließlich zu den Schwartenwürfelchen geben.
Fett zurück in die Pfanne und die Knoblauchwürfel darin brutzeln, bis sie goldbraun und – richtig – knusprig sind, etwa fünf Minuten (Obacht: die Knoblauchwürfel sollten keinesfalls zu dunkel geraten, dann werden sie nämlich bitter). Pfanneninhalt ein letztes Mal durch das Sieb schütten, Knoblauchwürfel gut abtropfen lassen, zu den Schalotten und Schwartenwürfeln geben, durchmengen und alles leicht salzen und pfeffern.

Ingwer schälen und fein reiben. In einem Gefäß mit den übrigen Saucenzutaten mischen, außer Minze und Koriander. Minze und Koriander abspülen, trockentupfen und in feine Streifen schneiden.
Aufgefangenes Fett wieder in der Pfanne erhitzen und das Hackfleisch darin über mittlerer Hitze bröselig braten. Currypaste zugeben und kurz mitbraten. Mit Sauce ablöschen und etwa fünf Minuten köcheln lassen, bis die Sauce eindickt.

Parallel die Reisnudeln nach Packungsanweisung garen.

Minze- und Korianderstreifen in die Sauce rühren, ggf. mit etwas Salz abschmecken.

Nudeln auf zwei Schüsseln verteilen, Sauce darübergeben und mit Knusper-Mischung und einem Spritzer Limettensaft servieren.

Dazu hatten wir einen Gurkensalat: eine kleine Salatgurke in dünne Scheiben schneiden und mit einem Dressing aus 2 EL Reisessig, 1 TL geröstetem Sesamöl, 1 TL neutrales Pflanzenöl, 1 TL Zucker vermischen.

PS: Nur mit'm Licht ist's abends inzwischen Essig. Und meine Kamera habe ich auch nicht hier. Das nur zu den Fotos.

Kommentare :

  1. Ups, ist mein Kommentar von gestern verschütt gegangen?
    Gericht gefällt und ist für nächste Woche vorgemerkt! Wobei ich leider keine Schwarte im TK habe, aber vielleicht würden frittierte Schalotten auch für den Knuspereffekt sorgen?
    Ich habe übrigens in letzter Zeit meist nur eine sehr vage Vorstellung, was ich eigentlich zum Abend essen will, da trifft es sich ganz gut, dass ich dieses Wochenende gar nicht kochen kann. Habe den heimischen Herd für die Hauptstadt verlassen. ;-)
    Schönes Wochenende + liebe Grüße,
    Eva

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    1. Offenbar - hier war nix.
      Dann nimm Frische, denn Du brauchst das Fett ja auch zum Braten. Mit Pflanzenöl schmeckt es vermutlich nicht ganz so gut, und vom Schneiden her sollte es keinen allzu gravierenden Unterschied machen.
      Oha, Hauptstadt? Im schönsten Streik? Was steht an?

      Gleichfalls!

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