Donnerstag, 3. April 2014

W wie Wunderlauch: Geschmorte Frühlingskarotten mit Wunderlauchsauce, Schmorzwiebeln und Tofu


„Das ist Wunderlauch, verwandt mit Bärlauch!“, rief mir eine Mutter vom Familienfahrrad aus zu, als sie an mir vorbei durch den Stadtwald rauschte. Ich kniete da tief in einem Meer aus riesigen Grashalmen und beäugte das Grün in meinen Händen skeptisch: Die Knofifahne unverkennbar – aber von der charakteristischen Maiglöckchenform? Keine Spur.

Wunderlauch also. Nie gehört.
Unentschlossen zupfte ich ein, zwei weitere Blätter aus(, auch, wenn ich natürlich weiß, dass man eigentlich schneiden soll) und hatte plötzlich ein putziges kleines Zwiebelchen in der Hand. Och!
Ich beschloss, es vorläufig bei diesem Pröbchen zu belassen und bestieg mein eigenes Rad.

Zu Hause erklärte mir Wikipedia, dass das mit der Verwandtschaft völlig richtig ist, dass man Wunderlauch auch als seltsamen Lauch oder Berliner Bärlauch kennt und man ihn bedenkenlos verkochen kann. Hervorragend!


Wenn das nicht die Steilvorlage zur Einweihung meines Geburtstagsgeschenks – Stevan Pauls und Kathrina Seisers „Deutschland vegetarisch“* – wäre! Schließlich hatte die österreichische Version* schon für ausgesprochen glückliche Tellermomente gesorgt und mich die vorab veröffentlichten Kürbissuppe und die Spinat-Kartoffel-Wickelklöße restlos begeistert. Am Rezept für geschmorte Bundmöhren mit Bärlauchsauce und Schmorzwiebeln war gleich beim ersten Blättern eins der Lesebändchen hängen geblieben – völlig zurecht, wie ich inzwischen weiß: Die Sauce allein ist eine uneingeschränkte Empfehlung, und das Gesamtkonzept mit den eher deftigen Zwiebeln zu fein anis-igen Karotten: sehr, sehr lecker!

Statt des vorgeschlagenen Eis gab es hier Tofu. Und zum Tunken der Sauce selbstgebackenes Brot. Aber davon später mehr...

Geschmorte Frühlingskarotten mit Wunderlauchsauce, Schmorzwiebeln und Tofu

nach Katharina Seiser & Stevan Paul: „Deutschland vegetarisch“, S. 47*, und Taste Hongkong

Zutaten für zwei Portionen

SCHMORZWIEBELN
1 kleine Zwiebel
1 TL Öl
Zucker
25ml Apfelsaft (oder Weißwein)
schwarzer Pfeffer
Salz

KAROTTEN
375g junge Karotten, möglichst schlank und zart
10g Butter
1 EL Pflanzenöl
Salz
schwarzer Pfeffer
½ Sternanis
125-175ml Gemüsebrühe

WUNDERLAUCHSAUCE
1 EL Honig
100ml Sahne (hier: halb Schmand, halb Milch)
20g Wunderlauch (Original: Bärlauch)
Salz

TOFU
400g halbfester Naturtofu (hier: Taifun)
Salz
Pflanzenöl zum Braten


So geht’s
Für die Schmorzwiebeln die Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebelringe darin unter Rühren 15–20 Minuten auf kleiner Flamme goldbraun schmoren. Eine Prise Zucker darüberstreuen und mit Apfelsaft oder Weißwein ablöschen. Einmal aufkochen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Warm stellen – z. B. Im Ofen bei 50°C Umluft, wo man prima auch gleich auch zwei Teller mitwärmen kann.

Tofublock in zwei ca. 1–2cm dicke Scheiben halbieren. Je von beiden Seiten salzen und auf einem Teller ca. 15 Minuten ziehen lassen.

Karotten schälen und je nach Größe in ca. 1cm breite Stifte schneiden. Butter und Öl in einem Topf zerlassen und die Karotten(-stifte) darin über mittlerer Hitze drei Minuten sanft braten. Salzen und pfeffern, Sternanis zugeben und so viel Gemüsebrühe angießen, dass die Karotten knapp (!) bedeckt sind. Aufkochen und ca. 10–15 Minuten schmoren, bis die Karotten die gewünschte Konsistenz erreicht haben (Ich persönlich mag's nicht zu knackig, aber eben auch nicht weich). Aus dem Sud fischen und ebenfalls auf einem Teller warm stellen.

Ausreichend Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen. Tofu abtupfen und sofort darin über mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun braten.

Für die Sauce Wunder- oder Bärlauch gründlich waschen, trockentupfen und verlesen. Ein Blatt für die Dekoration in dünne Streifen schneiden, den Rest grob hacken.
Honig und Sahne (bzw. Schmand und Milch) in den Möhrensud geben und ein bis zwei Minuten dicklich einkochen. Ggf. in ein hohes Gefäß umfüllen, Wunder- oder Bärlauchblätter zugeben und pürieren. Sauce mit Salz abschmecken.

Das Anrichten geht so: Einen Saucenspiegel auf vorgewärmte Teller geben, darauf eine Tofuscheibe, darauf die Hälfte der Karotten, darauf die Zwiebeln, darauf die Blätterstreifen.

PS: Den tollen Teller gab's auch zum Geburtstag, der kommt von taros schöner leben. Danke, Mama!

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Kommentare :

  1. Ein richtig schickes Gericht, wobei ich das pochierte Ei vorzöge. ;-) Und mist, wann finde ich dieses Buch endlich...
    Liebe Grüße,
    Eva

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  2. wunderschön... und was für ein wunderbarer teller!!!

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