Montag, 15. Dezember 2014

All'italiana - oder die Frage nach der Authentizität (Reklame)


Authentizität geriet irgendwann zum Unwort der Reise. Den einen, weil sie die ewige Unterscheidung in „touristisch“ und „original“ nicht mehr hören konnten. Den anderen, weil sie genau danach suchten: das Echte, Unverfälschte – oder wenigstens etwas, das man dafür halten kann.

Ich, ihr ahnt es, gehöre zur Fraktion letzterer. Ich hasse das Gefühl, für dumm verkauft zu werden. Von Köchen, die glauben, der richtige Geschmack sei zu scharf/fad/exotisch für westliche Gaumen. Von Architekten, die meinen, mit ein paar historisierenden Elementen für das aufkommen zu können, was Abrissbirnen unwiederbringlich zum Opfer fiel. Von Reiseführern, die fürchten, solvente Touristen mit dem Alltag auf den Straßen überfordern zu können.

Ich aber will genau das: Tränen in den Augen, weil etwas so viel pikanter ist, als man es kennt. Umwege, die dorthin führen, wohin es kein Städteplaner je geschafft hat. Armut, Elend, Dreck, die einen ahnen lassen, was es bedeutet, wenn jemand nie in seinem Leben Tourist sein wird, weil er täglich um das Nötigste kämpft.

Vielleicht sind diese Worte ein bisschen zu groß und pathetisch für das, worum es hier eigentlich geht – nämlich UFUUD. UFUUD ist ein kleiner Onlinehandel aus Mailand, der seit einem Jahr das „echte“ Italien in Form von Lebensmitteln über die Landesgrenzen hinaus verfügbar machen will. Die beiden Gründer Christian Prazzoli und Cipriano Moneta haben lange im Ausland gearbeitet und gelebt und feststellen müssen, wie schwierig es da mitunter ist, Zutaten zu finden, die ihren Vorstellungen von Authentizität gerecht werden. Darum vertreiben sie gemeinsam mit vier Mitarbeitern Produkte von über 60 oft vergleichsweise kleinen Herstellern, die sie eigenhändig ausgewählt haben. Traditionalität und Unverfälschtheit spielen dabei ebenso eine Rolle, wie biologischer Anbau und Nachhaltigkeit.


Ich durfte UFUUD unverbindlich testen und habe mir darum einige dieser insgesamt 600 verschiedenen Produkte schicken lassen, darunter Pasta, Salami (gut!), Reis, Balsamico, Schokocreme mit Olivenöl (lecker!) und Honig. Probiert habe ich längst nicht alle davon – was zum einen meinem derzeit reichlich straffen Leben 1.0 geschuldet ist, und zum anderen dem Umstand, dass ich die Dinge gern so bewusst und ja: authentisch genießen möchte, wie von Prazzoli und Moneta gedacht. Das bedarf ein bisschen Recherche – zum Beispiel, wenn es um die Zubereitung von schwarzem Reis all'italiana geht oder ein Gericht, in dem bronzegepresste Pasta richtig zur Geltung kommt. Hier plant UFUUD allerdings, sein Portfolio demnächst auch um traditionelle Rezeptvorschläge zu erweitern. (Meine reiche ich nach, versprochen!)

Die Preise für die Lebensmittel schwanken zwischen Supermarkt- und Feinkostniveau, sind also eigentlich ein bisschen zu teuer für meine derzeitige Kassenlage – in Anbetracht von Qualitätsanspruch und Originalität jedoch vertretbar, zumal UFUUD sich ausdrücklich an die Liebhaber des italienischen Lebensstils wendet, die ähnliche Bedürfnisse hegen, wie einst die beiden Gründer.
Der Bestell- und Liefervorgang klappt so problemlos, wie man es von ähnlichen Unternehmen kennt und schätzt – einzig die (zu Stoßschutzzwecken) plastiklastige Verpackung hat mich etwas gestört.

Und wer sich wie ich über den Namen gewundert hat: UFUUD kam heraus, als man einen Italiener, mit dessen Englischkenntnissen es nicht weit her war, bat, einmal das Wort „food“ zu schreiben...


* Dieser Post in Zusammenarbeit mit UFUUD Mailand entstanden. Alle geäußerte Meinung bleibt davon unbeeinflusst und meine eigene.

Montag, 24. November 2014

Kulturgut: Roggenvollkornbrot über Nacht


Es sind die Kleinigkeiten, die man als Deutscher im Ausland vermisst. Federbetten – überhaupt Decken, die nicht so stramm mit der Matratze verzurrt sind, dass einem drunter ganz klaustrophobisch werden kann. Mineralwasser. Und, vielleicht als erstes: Schwarzbrot.
Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich liebe neue, fremde Küchen, bin oft genug betrübt, dass man sie hier so selten authentisch findet. Überhaupt waren ich und das Brot lange Zeit alles andere als dicke.

Und trotzdem: Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als sich dunkles, kerniges Brot schätzen lernte. Es war sonnig, wir waren im Garten. Mein Vater hatte sich eine Scheibe geschmiert, schön dick mit Butter. Er ließ mich abbeißen und ich, die ich vorher (wie vermutlich jedes kleine Kind) eher den hellen, weichen Krumen zugetan war, Stichwort „Omahäppchen“, machte plötzlich die Erfahrung von Röstaromen. Von Konsistenz. Der leichten Note Karamell. Mein Vater musste sich eine neue Scheibe schmieren, aber ich glaube, er war nicht unglücklich darüber.

Dieses Brot kommt dem Brot von damals sehr nahe. Vielleicht war es noch ein bisschen dunkler, noch ein bisschen körniger – vielleicht trügt mich auch die Erinnerung. Schließlich gibt es dieses wohl deutscheste aller deutschen Brote in mindestens so vielen Varianten wie es Backstuben gibt. Diese hier halte ich in Ehren.

(Und ab jetzt bin ich wirklich weg! Zài jiàn!)


Donnerstag, 20. November 2014

Warum in die Ferne schweifen: Münsterländer Schmalzstuten


Ich habe es schonmal anklingen lassen: Ich bin gebürtige Münsteranerin. Die, wo immer auf dem Fahrrad, genau (übrigens etwas, das ich noch immer hochhalte).
Und selbst, wenn es mich – anders als die Schwester – seit dem Wegzug gen Norden nie mehr für länger zurückverschlagen hat, war es völlig fraglos, dass ich ein Brot, das sich Münsterländer Schmalzstuten nennt, würde nachbacken müssen. Das Ergebnis sieht schließlich wirklich haargenau so aus, wie ich es von früher kenne (vor allem in der Darreichungsform „Omahäppchen“ mit Frischkäse und Himbeermarmelade).

Noch besser: es schmeckt sogar so. Am besten, wenn es ein bisschen ziehen konnte. Dann ist die Krume zwar nicht mehr ganz so flaumig wie frisch aus dem Ofen, dafür schön saftig und elastisch. Mehr als Butter braucht es da kaum.

Achso, und auch, wenn es angesichts der derzeitgen Post-Intervalle hier nicht sonderlich auffallen dürfte, aber: die nächsten zwei Wochen ist hier Pause. Grund: 12 Tage China. Yeah.

Donnerstag, 6. November 2014

Schwein auf Eis – oder: Khao soi aka Crack Slurp aka Reisnudeln mit Aromasauce und Knusper obendrauf


Meine Idee vom perfekten Abendessen war eher vage: Reisnudeln könnten durchaus was sein, gern auch in Kombination mit Kokosmilch. Vielleicht Hackfleisch. Oder Fisch?
Das Pinterest-Sammelsurium half da nicht wirklich weiter: Für das Eine fehlten gefühlte 2736 Zutaten, außerdem würde sich die Begeisterung des Kerls in Grenzen halten. Für anderes war ich zu faul.

Überhaupt war ich faul. So faul, dass ich kurz davor war, Monsieur zu fragen, ob wir den geplanten Auswärts-Abend nicht spontan um 'ne halbe Woche vorverlegen wollten. Halbherzig tippte ich noch „rice noodles“ in die Foodgawker-Suchmaske. Scrollte, scrollte... wollte das Ganze schon wieder schließen, als ich Seite Fünf erreichte: Reisnudeln mit Kokos-Currysauce, Hackfleisch und einer Mischung aus knusprig frittierten Schweinespeckwürfelchen, Knoblauch und Schalotten. Eins dieser Lady-and-Pups-Rezepte, an denen ich schon in der Vergangenheit immer wieder hängen geblieben war, weil es so gottverdammt gut aussieht. So gut, dass man bereit ist, (fast) alle Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, nur, damit genau das später auf dem Teller liegt. Blöd, dass man gefrorene Schweineschwarte braucht.

Gefrorene Schweineschwarte?
Ahaha! Aber genau die lag doch noch im Tiefkühlschrank! Rest des letzten kulinarischen Ausflugs nach Asien, als das nötige Stück Schwein ein bisschen zu viel Speck auf den Muskeln hatte. Kann ich ja nicht wegtun, sowas, selbst, wenn ich gar nicht so richtig weiß, was ich damit anfangen will. Und dann kommt Mandy Lee und will: gefrorene Schweineschwarte!

Das Ganze ist – ja, doch: ein Kracher: die cremige, durch und durch aromatische Sauce, die weichen Nudeln, das knusprige Gebrösel obendrauf. Kerl begeistert, Köchin begeistert – ein Königreich für Schweineschwarten! Und Zufallsfunde.


Sonntag, 2. November 2014

Mit Laib(chen) und Seele: Miche-Brötchen


Ich bin ein Scanner. Eine von denen, die sich Hals über Kopf für Dinge begeistern. Die tage-, wochen-, monatelang nichts anderes tun können und wollen. Um dann, wenn der eine, undefinierbare, aber kritische Punkt überschritten ist, von heute auf morgen alle Anstrengung einzustellen – zugunsten des nächsten Projekts.

Statt (blogreif) zu backen und zu kochen, hab' ich mein Strickzeug wieder ausgepackt. Ich bin durch die Wälder gestrichen, den Blick auf den Boden geheftet – immer auf der Suche nach steinpilzbeige, maronenbraun und den großen Hüten der Safranschirmlinge. Zum Glücklichsein reicht da.

In diesem Moment strahlt hier, beim Kerl, die Novembersonne so stark, dass es auf dem Balkon zu warm ist und auf dem Sofa auch. Der Schnee, der schon auf vielen der umliegenden Gipfeln liegt, schmilzt. Vermutlich nicht ganz – bis zum Frühjahr.


Hier kann ich Ärmel stricken und Pilze suchen und habe trotzdem Zeit für anderes. Weil nichts anderes drängt.

Michas Miche kam gerade recht. Als hätte sie erinnert, wie sehr ich grobporige Krumen mag und dass es mit dem Sauerteig im hiesigen Kühlschrank nicht weit her ist (Der Ableger des blasigen Mitbewohners in meinem norddeutschen Kühlschrank wollte sich beim Kerl nicht recht akklimatisieren: Er stellte jeweils zuerst das Blubbern ein, um sich dann nach Banane (?!) riechend unter einem weiß-grünen Pelz zu verkriechen.).

Arnd Erbel, gedanklicher Vater dieses Teigs, wäre mit mit meiner Abwandlung zur Trockenhefe vermutlich nicht einverstanden. Auch die reduzierte Wassermenge zwecks besserer Händelbarkeit dürften dem Meister nicht gefallen. Trotzdem ist das Ergebnis aller Achtung wert: Flaumige Krume, besagte fabelhafte Porung und ein Geschmack, der ein bisschen an Baguette erinnert und trotzdem ganz eigen ist.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Thema mit Variationen: Bún thịt nướng


So schön es hier ist (und es ist hier wirklich schön): ein, zwei Dinge gibt es doch, die man manchmal ein bisschen vermisst. Konkurrenz für den einzigen Laden mit asiatischen Lebensmitteln zum Beispiel, auf dass Ingredienzen wie Mirin oder Sesamöl ein wenig realistischer bepreist sein mögen (wobei: immerhin gibt es diesen Laden). Oder die Auswahl an hervorragendem und günstigen Street Food, für das man in der kleinen großen Stadt keine fünfzehn Minuten Fußweg zurückzulegen hatten: türkische Pide beim Pidemann, Dolce Vita beim Bilderbuchitaliener, prima Burger und, vor allem: Variationen von Vietnam.

Es ist schon eine Weile her, seit ich von der kleinen Straßenküche berichtet habe, die so gutes und frisches Zeugnis von vietnamesischer Kochkunst ablegt, dass dort oft nur schwer ein Platz zu bekommen ist. Trotzdem war das „Street Kitchen“ gerade am Wochenende sehr regelmäßig unser Anlaufpunkt, wenn der Hunger allmählich anklopfte, sich die Lust zu kochen jedoch in überschaubaren Grenzen hielt. Das geht hier nicht mehr: Hier muss bis Samstag um 18 Uhr feststehen, was abends und anderntags auf dem Tisch stehen soll. Sonst bleibt bloß der Griff zu den eisernen Vorräten.

Wenn die Sehnsucht nach feinem Ganz-weit-weg-Geschmack irgendwann übermächtig wird, hilft also nur: selbermachen. Das habe ich schon einmal versucht, allerdings eher grob inspiriert denn originalgetreu kopiert. Angesichts dieses Fotos konnte ich aber nicht anders. Das sollte es sein und nichts sonst – zumal die letzten Ach-wie-praktisch-es-wäre-jetzt-zu-Street-Kitchen-zu-gehen-Seufzer noch keine 24 Stunden alt waren. Es fehlen: die Zutaten.
Von denen braucht es einige – allerdings machen genau die Bún thịt nướng (oder das, was ich so nenne) auch zu dem, was es ist: ein buntes Aromenwunder, dass einen sehr, sehr glücklich am Tisch zurücklässt. Und wenn man dann den Kopf hebt und aus dem Fenster schaut und sieht, wie schön es hier ist, möchte man mit niemandem und nichts auf der Welt tauschen.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Das Leben wie es sein sollte: Hefezopf mit gebrannten Mandeln & Marzipan


Mit gebrannten Mandeln ist alles besser. Nicht, dass es in Sachen Verbesserung gerade Bedarf gäbe im Gegenteil: Hier beim Kerl gibt es schließlich nicht nur den Kerl, sondern obendrein Pilze (1, 2), Sonne, freie Zeit. Und all' das darf von mir aus gerne noch eine ganze Weile so weitergehen (und nicht nur noch fünf Tage).

Nein, die Sache mit den Mandeln ist eher etwas Generelles. Und ich rede jetzt nicht von dem pappigen Zeug vom Weihnachtsmarkt. Ich meine die frischen, handgebrannten, die man unbedingt in Eis rühren sollte, wie es Verena vorgemacht hat. Überhaupt sollte man immer deutlich mehr Mandeln brennnen, als das Rezept vorsieht, schließlich kann es passieren, dass da jemand kommt wie ich und seine Hand ausstreckt. Kurzes Knurpsen später sind es dann eben nicht mehr 100 Gramm, sondern vielleicht noch 75.

Vorgestern Abend las ich bei Stefanie von einem Hefezopf, in dem solche Mandeln stecken. Sekunden später stand ich in der Küche.
Eine Übersprungshandlung, die ich nur weiterempfehlen kann: Zwar habe die Menge halbiert, schließlich sind hier derzeit zwei Personen zu versorgen und kein ganzes Büro, außerdem wurde das Ganze an die hiesige Vorratslage angepasst: Zu den letzten 100 Gramm Mandeln passte ein Rest Marzipanrohmasse perfekt. Den fehlenden Amaretto ersetzte Rum.

Das alles dann lauwarm im Sonnenschein auf dem Balkon... mit gebrannten Mandeln ist alles besser, wiegesagt.
Achso, und noch besser, saftiger, runder: am Tag danach.

Sonntag, 28. September 2014

Ofenschlupfer

Ofenschlupfer ist elementarer Bestandteil des Frühstücks bei Mövenpick in H. Nicht, dass dieses Frühstück nicht ohnehin grandios wäre – Entenbrust, Räucherfisch in diversen Varianten, Eier, Käse, ausgezeichnete Salate, Marmeladen, Honig, Müsli, Milchreis (!)... auf dem Buffet gibt es nicht viel, was es nicht gibt (und von den ausgesprochen guten Gebäcken inklusive Tartes und Kuchen habe ich noch nicht angefangen).
Das alles ist nicht mal teuer: 20 bis 22 Euro macht's pro Nase, und die Getränke sind schon drin. Ein bis zweimal im Jahr – es hilft nichts – wird unser (keinesfalls schlecht gedeckter) Frühstückstisch am Wochenende gegen dieses Schlaraffenland getauscht.
Um immer – immer! – auch Ofenschlupfer zu essen. Ich vermute, dass es den unter anderem bestimmungsgemäß als Verwertung für die Brötchenreste vom Vortag gibt – was mir dieses Frühstück noch ein bisschen sympathischer macht (und das will bei einer Kette schon etwas heißen).

Diese Brötchen also werden gewürfelt und zusammen mit Äpfeln, Mandeln und Rosinen in einer sahnigen Eier-Milch gebacken. Das Ergebnis ist weich und vanillig und allein Grund, immer wiederzukommen. Bis jetzt konnte die Details dieses Wunderwerks nämlich nicht ergründen. Was nicht bedeutet, dass der Ofenschlupfer, den ich jüngst zur Verwertung viel zu süß geratener Hot-Dog-Brötchen kredenzt habe, nicht ebenfalls gut gewesen wäre: Rum statt Vanille, nur Rosinen statt Rosinen und Mandeln.

Von hier aus ist das nächste Mövenpick schließlich weit.

Mittwoch, 24. September 2014

Play it again, Sam: Kürbis-Karotten-Mac'n'Cheese


Obwohl „Würde-ich-wieder-machen“ definitiv ein Auswahlkriterium ist, bevor ein Essen im Blog landet, passiert dieses „Wieder“ ausgesprochen selten. Die Konkurrenz mit neuen Gerichten, die „Probier' mich – jetzt!“ schreien, ist einfach zu groß. Von Klassikern wie der Tomatensauce, schnellen Keksen und diversen Brötchensorten mal abgesehen, bleibt vieles hier Eintagsfliege. Schade eigentlich.

Und umso erstaunlicher, wenn es ein Rezept dann doch ein zweites Mal in die Küche schafft: Michas Kürbis-Mac'n'Cheese habe ich vor knapp zwei Jahren schonmal gekocht und war höchst angetan: Herrlich cremig, unheimlich aromatisch – ein Wohlfühlessen durch und durch. Sogar der Kerl, dem Kürbis normalerweise eher suspekt ist (auch, wenn er ihn schon in diversen Varianten mit  Genuss vertilgt hat), bekundete seinen Gefallen.

Als ich diese Tage auf der Suche nach einem Abendbrot durch meine Bildersammlung scrollte, blieb mein Blick wieder hängen. Pasta, Kürbis, Kräuter, Käse – perfekt.
Diesmal sind sogar die Bilder was geworden – darum, mit Anpassungen an die hiesige Vorratslage:

Sonntag, 21. September 2014

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Mailänderbrötchen über Nacht

Statt des versprochenen Sonnenscheins ein dichtes Grau in Grau. Statt der geplanten Wanderung ein Kerlebein in Gips.

Es ist alles ein bisschen anders gekommen als gedacht. Schade, aber vielleicht auch nicht schlecht. So bleibt Zeit zum Ausschlafen. Zum Aussuchen von Fotos für die Wohnzimmerwand. Für lange Frühstücke.

Lutz' Mailänderbrötchen sind eine echte Entdeckung: Um Mehl mit niedrigen Typenzahlen mache ich sonst eher einen Bogen, aber hier hat es seine volle Berechtigung: Flaumige Krume, knusprige Kruste, fantastischer Geschmack. Einen Teil davon habe ich trotzdem durch Vollkornmehl ersetzt, ohne, dass das Ergebnis etwas von diesen idealen Frühstückseigenschaften eingebüßt hätte. Gibt's wieder!


Montag, 15. September 2014

A study in corn: Scharfe Burger mit Avocadocreme im Honey-Cornmeal Brioche Burger Bun, dazu Corn Fritters


Früher grenzte direkt an unseren Garten ein Feld. Inzwischen ist es längst dicht bebaut und meine Familie weggezogen, aber als meine Schwester und ich klein waren, war uns dieses Feld der liebste Spielplatz überhaupt. In Weizensommern bauten wir zwischen den Ähren Höhlen und Labyrinthe. Wenn sich in einem anderen Jahr die Maisstauden reckten, pflückten wir Kolben um Kolben und stapelten sie hinten am Gartenzaun.

Der Bauer tobte, und auch Mama war eher unglücklich ob unseres Treibens. Die Erklärung, dass das aber ja alle Kinder in der Straße so handhaben würden, war nicht unbedingt hilfreich. Zumal sich mit dem ganzen Mais auch nichts rechtes anfangen ließ. Als Futtermittel gedacht, hielt sich seine Zartheit und Schmackhaftigkeit in Grenzen (Nicht, dass nicht einiges davon als erzieherische Maßnahmen nicht trotzdem im Ofen gelandet wäre).
Vielleicht lag es auch daran, dass Mais für mich lange eher zu den Nahrungsmitteln gehörte, die man zwar essen kann, sollten sie irgendwo auftauchen, allerdings auch nicht künstlich bemühen muss – schon gar nicht aus der Dose.

Derweil aus den Mais-Meeren nach und nach wieder Stoppelfelder werden, überkam mich – angefixt durch diese Bilder – ein plötzliches Gelüst nach Burgern und Corn fritters. Anderswo behandelt man die gelben Kernchen schließlich mit deutlich größere Souveränität als hierzulande. Burger waren längst überfällig (erstaunlich: so und heftig meine kleine Leidenschaft für schräge (sic!) Frikadellenbrötchen gekommen ist, sie so schnell und plötzlich war sie auch wieder vorbei).

So nutzte ich also ein Wochenende, an dem ich durchaus anderes zu tun gehabt hätte, um Burger zu bauen. Weil es ja nett wäre, was Leckeres zum Mitnehmen zu haben. Und sowieso noch eine Avocado nach Verwertung schrie.
Noch besser wäre das Ganze vermutlich gewesen, hätte man die Mais-Masse tatsächlich frittiert.


Sonntag, 7. September 2014

Twix deluxe: Miso-Karamell auf Sesam-Shortbread in dunkler Schokolade


Mein Herz für eher schräge Aromenkombinationen – wir erinnern uns an Olive-Mohn zu Gnocchi und Kartoffelschalenkaramell, Kimchi und Käse, Bacon-Jam – sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Ich liebe das, was auf den ersten Blick völlig absurd wirkt und anderen die Zehennägel aufrollt. Die Idee, etwas so durch und durch Pikantes wie Miso in Kuchenteig zu rühren zum Beispiel. Oder in Karamell.

Gesehen hatte ich Ähnliches schon bei Lady and Pups, mangels Eismaschine aber auf unbestimmte Zeit vertagt. Bis Cooketteria gleich die doppelt vorlegte – erst mit Miso-Brownies und dann mit Miso-Dulce-de-Leche. Ay!

Der erste Gedanke, beides zu verbinden und einen Miso-Brownie-Karamell-Kuchen in den Ofen zu schieben, erschien mir aber nicht halb so spannend, wie der, das Karamell auf mürbes Sesam-Shortbread zu streichen und tief in Schokolade zu tunken. Grandiose Vorlage: Das Karamell ist pur schon ein echter Kracher, weshalb ich rate, unbedingt mehr davon zu machen, als unten angegeben. Unterfüttert mit buttrig-mürbem Shortbread, das durch den schwarzen Sesam geschmacklich noch interessanter wird und überzogen mit dunkler Schokolade... ein Traum.

Montag, 1. September 2014

Aus dem Bilderbuch: Wolkenbrot aus Vollkornweizen


Ein bisschen grotesk ist es schon, dass ich diesem Blog umso weniger Aufmerksamkeit angedeihen lasse, je zufriedener ich jenseits des Webs mit meinem Dasein bin. Oder andersherum: Dass ich akute Ausgeglichenheits- und Auslastungsdefizite brauche, um mich dem in einer Ausführlichkeit zu widmen, als gebe es nichts anderes auf der Welt. Man könnte es „Prokrastinationsprojekt“ nennen. Man kann es aber auch einfach so stehen lassen, schließlich birgt sowohl der eine als auch der andere Zustand – nennen wir sie A und B – seine Glücksmomente, und auf die kommt es am Ende an.

Wenn ich mich also wie derzeit in Zustand A befinde, ist es mir egal, wenn in der Küche nicht alles klappt. Ich esse verunfalltes Brot und unansehnliche Lasagnen und hadere nicht ob ihrer Unveröffentlichbarkeit. Vielleicht, weil ich ahne, dass Zustand B irgendwann wiederkommt. Und ich auf einmal ganz viel Zeit für ganz viele Versuche habe (und so lange alles andere auf „irgendwann“ verschiebe).

Bis dahin wird es das eine und andere Mal dieses Sandwichbrot geben, denn es geht schnell und einfach und ist außerdem bestens zum Mitnehmen geeignet. Falls ich mal wieder länger nicht in der Küche bin.

Montag, 18. August 2014

Zufallsbekanntschaft: Grießnocken auf Erbsen und Kochsalat


Von Kochsalat hatte ich nie gehört. In meinem Kühlschrank lag ein stinknormaler und harrte schon etwas missmutig seiner Verwendung. Missmutig war ich auch: Das Außenthermometer  klemmt seit Tagen bei 15°C, die Wetterkarte verheißt kaum Besserung und meine Lust auf sommerlich-leichtes Grünzeug macht Urlaub im Süden.

Ich nehme also an, dass es kein Zufall war, als ich auf der Suche nach einem schnellen warmen Essen Katharina SeisersÖsterreich vegetarisch“* an genau der Stelle aufschlug, an der es um – richtig – Kochsalat ging.

Dass man Salat, wie das meiste andere Grünzeug auch, ganz ohne Probleme erhitzen kann, wusste ich aus anderen Projekten. Wikipedia erklärte mir, dass man Kochsalat hierzulande auch als Römersalat kennt. Ha! Die Vorsilbe passte, ich angelte ein Päckchen Erbsen aus dem Gefrierfach. Grieß ist sowieso immer da und Milch schon aus Prinzip. Fehlte bloß noch ein bisschen Zeit.

Die gab es gestern: Zitrone und Erbsen sind ja ohnehin gute Freunde und zusammen mit gekochtem Salat und Sauerrahm bzw. Joghurt richtig rund. Die Grieß-Milchkombination liefert den Wohlfühlfaktor und eignet sich obendrein bestens, um auch den letzten Klecks Sauce aufzuwischen.

Samstag, 9. August 2014

Fehlerbehebung: New York Cheesecake

Den besten, wirklich allerbesten Cheesecake gibt es in New York. Leider weiß ich bloß nicht genau, wo. Die Gelegenheit nämlich, die mich dort von allen Käsekuchen-Traumata heilte und zur treuen Cheesecake-Anhängerin machte, war eine offizielle – mit Butlern und Catering und allem Zipp und Zapp. Vor lauter spontaner Frischkäsekuchenliebe habe ich da bloß vergessen zu fragen, wer sich für all das verantwortlich zeichnet.
Böser Fehler.

Seither bin ich auf der Suche. Nach dem, dem einen Cheesecake-Rezept. Das, so viel ist sicher, vollfetten Frischkäse enthält und garantiert auch Sauerrahm. Dummerweise sind das eben nur zwei von ungefähr zehn verschiedenen Komponenten, deren möglicherweise hochkomplexes Mischungsverhältnis sich damit leider längst noch nicht erklärt. Zumal das Ganze als Würfel gereicht wurde, hübsch am Stiel und unter herrlichem Schokoladenüberzug. Als wäre die Sache so nicht schon ärgerlich genug.

Aber: Wir lernen bekanntlich (irgendwann) aus Fehlern. Weshalb ich diese Version zu meiner Arbeitsgrundlage erkoren habe und für diesen Zweck tatsächlich als sehr brauchbar befunden. Der Boden wehrt sich noch ein bisschen, und dem Belag-Geschmack fehlt noch ein Mü Präzision. Aber für ein kurzes, schnelles Lebenszeichen reicht das allemal. Und danke, Eva, danke, Petra, für diesen sehr schönen Anlass.

Dienstag, 29. Juli 2014

Standbild

Diese Aussicht hat, wer die Balkontür öffnet und nach draußen tritt. Verhangen und feucht am Morgen, tagsüber scharf und klar, interessant bei Gewitter.

Dahinter lichten sich die Nebel. Karton um Karton wird geleert und für ihren Inhalt neuer Platz gesucht, gefunden. In der neuen Dependance im Süden.

Für mich gelegentlich auf Zeit, für den Kerl auf weiteres.

Beizeiten mehr.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Blaupause: Erbsen-Pistazien-Ravioli mit Pesto


Wie viele Wege es gäbe, diesen Text zu beginnen.
Ich könnte mit dem Kerl anfangen, wie er im Supermarkt steht und mir triumphierend ein kleines Tütchen entgegenstreckt. „Da!“, sagt er, „echte Pinienkerne!“, und strahlt. Und tatsächlich: Keine schwarzen Spitzen, keine Tropfenform, sondern schöne schlanke, zartbeige Kernchen. Obendrein bio. „Was sollen die denn kosten?“, will ich wissen, aber der Kerl zuckt mit den Schultern. „Steht da nicht.“ Und wieder hat er recht. „Na“, sage ich, „probieren wir's“, und stelle mich an die Kasse.
Ich könnte erzählen, wie mir da kurz ein wenig anders ward ob der stolzen Preisanzeige. Und wie ich dem Essen drohte, bloß auch zu schmecken, denn das letzte Desaster war noch nicht lange her.

Auch davon könnte ich erzählen, dem Inbegriff veganen Vorurteils. Als sogar die eigentlich idiotensichere Tomatensauce misslang und damit perfekt zum Tofu passte – eine Liaison aromatischen Nihilismus'. Die der Kerl stoisch ertrug.

Möglicherweise sollte ich mit dem Kampf beginnen, den ich mit dem Nudelteig focht. Den mit der Waage. Küchenschere. All' dem Chaos um mich her. An einem Tag, der mit einer Beule begann, in Kabbeleien überging und in diesem Schlachtfeld mündete.

Aber vielleicht sollte ich besser von diesem Essen erzählen. Das tatsächlich irgendwann auf dem Teller lag. Und von da ein bisschen Anlauf nahm, einen Bissen lang, zwei. Um dann ganz langsam, ganz leise ganz vorzüglich zu schmecken. Weil das Pesto mit den Pinienkernen die Erbsen unterstütze und das Basilikum sich hervorragend mit den Pistazien vertrug und alldem überhaupt endlich das gelang, was dem ganzen Tag gefehlt hatte: Ruhe. Zufriedenheit. Eine ganz angenehme Sättigung.

Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, seit die Krautköpfe diese Erbsen-Pistazien-Ravioli vorgelegt haben. Und es wird bestimmt nicht lange dauern, bis wir sie wiederholen. Denn auch der Kerl war in höchstem Maße angetan, nicht zuletzt vom herrlich simplen Pesto.
Von dem übrigens einiges übrig geblieben ist, genau wie von der großzügig bemessenen Menge Teig. Ich lasse das alles aber so. Denn von den Resten macht man eben nochmal Nudeln mit Pesto. Auf dass sie genauso ruhig, satt und zufrieden machen mögen.

Montag, 7. Juli 2014

Let's twist again: Sushi Bowl mit Meeresfrüchten, Wan Tan-Chips, Grünzeug und scharfer Mayo

Was genau an dieser Schüssel kalifornisch ist, weiß ich gar nicht so richtig. Laut Wikipedia gehört in eine standesgemäße California Roll schließlich vor allem Avocado, und von der ist hier (ausnahmsweise) keine Spur.

Dabei kann ich schon sagen, was an dieser Schüssel kalifornisch ist – nämlich der Umstand, dass ich genau da, namentlich in San Francisco, zum ersten Mal an eine Sushi Bowl geriet. Im Untergeschoss einer der Malls an der Market Street wurde mir derlei serviert – zu meinem nachhaltigen Entzücken.

Mein erster Nachbau hat inzwischen gut zwei Jahre auf dem Buckel, die Älteren erinnern sich. Ein kleines Update, oder um es mit Foodgawker zu sagen: „a twist“, kann also nicht schaden.
Ein bisschen amerikanischer dank Mayo, ein bisschen spannender dank Wan Tan-Chips und ein bisschen schneller, weil nichts ewig marinieren muss.

Sicher: Große Kochkunst geht anders. Aber genau darum passt es so prima in diese Tage – wo man Herd und Ofen nur in den allergrößten Notfällen anwirft und überhaupt seine Zeit überall verbringen mag, bloß nicht in geschlossenen Räumen.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Nobel geht die Welt zugrunde: Burger mit Spiegelei, Pak Choi und Trüffelcreme im Sesambrötchen. Dazu: Ofen-Fritten.


Ich hätte nicht gedacht, dass das mal passiert. Dass ich dasitzen würde, ein Burger-Buch in den Händen, um genau das zu rezensieren. In Sachen Burgern haben meine Eltern dereinst nämlich ganze Arbeit geleistet: Burger = Mäckes = Teufelszeug. Und das war nicht einmal ein Punkt, den ich rebellionswürdig fand.
Dass Burger – wie einiges anderes auch – nicht nur großartig schmecken können, sondern obendrein gewissen Nährwert besitzen, habe ich erst deutlich später entdeckt.

Wie dem auch sei: Inzwischen fröne ich einer kleinen Obsession, die Psychologen sicher in vielerlei Hinsicht bemerkenswert fänden, brate Burger um Burger und, wiegesagt, widme mich einem einschlägigen Werk. Das sich da passenderweise „The Art of Burger“ nennt und aus dem Hause Umschau stammt – manche werden sich erinnern.

Der Clou dabei ist: Ich darf aus diesem Buch, das mir freundlicherweise von einem Kooperationspartner zur Verfügung gestellt wurde, kochen, davon schreiben und fertig ist der Lack. Keine Kosten, kein (großer) Ärger, kein nix. Und sämtliche geäußerte Meinung bleibt freilich meine eigene.

Die da geht: Bestellung und Versand klappen unkompliziert und problemlos, zum Rückversand kann ich nichts sagen, weil ich das Buch nicht mehr hergeben werde, und der Rest des Ladens ist so übersichtlich und sortiert, wie man das eben kennt. Sämtliche Testsuchen – namentlich Lutz' Brotbackbuch, Hermés PH10 und Niki Segnits Geschmacksthesaurus – waren erfolgreich. Bloß für Sigrid Neudeckers Madame ist willig musste ich aus irgendeinem Grund ein bisschen länger tippen. Aber: Auch das ist da.

Und natürlich viel spannender: Das Buchwerk selbst.
Beim Auspacken war ich ein wenig erstaunt ob der Größe: Hatte ich nach den Bildern im Netz eher etwas von der Gewichtsklasse eines Deutschland oder Österreich vegetarisch erwartet, hielt ich ein durchaus dünneres Bändchen in der Hand. Aber: 176 Seiten sind trotzdem 'ne Ansage.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Alternativlos: Teriyaki-Burger mit Ananas, Avocado & roten Zwiebeln. Dazu: Chips aus der Mikrowelle.


„Ich habe,“ sage ich am Abend zum Kerl, „gerade einen leichten Burger-Tick.“
Und der Kerl sieht auf von dem Exemplar in seinen Händen und mich an und sagt: „Gibt Schlimmeres,“ und beißt ab, dass es nur so tropft.
Ich nicke und tue es ihm nach und bin sehr, sehr zufrieden.

Dabei habe ich mich wirklich angestrengt und überlegt, ob ich stattdessen Galettes machen sollte oder mal was mit Kartoffeln oder Spargel oder so. Aber da war dieses Bild in meinem Kopf mit all' den Farben und Geschmäckern und jede Idee, die nicht mindestens genauso bunt aussah und ähnlich Kurioses versprach, musste ich leider wieder verwerfen.
So schrieb ich dann Rinderhack auf den Einkaufszettel und Ananassaft und wartete auf den Abend.

Und wurde belohnt: Allen Was-macht-das-Obst-in-meinem-Essen-Vorbehalten zum Trotz passt die angebratene Ananas perfekt zwischen Fleischsaft und Teriyakisauce. Mit Avocado und roten Zwiebeln macht man grundsätzlich nichts falsch.
Dazu die Entdeckung Chili-Brötchen aus meiner Entdeckung „The Art of Burger“*, die ganz dringend ganz bald erwerben muss: Heißer Tic... äh: Tipp.

Achso, und wer Skepsis bezüglich Chips (Stichwort Kartoffeln) aus der Mikrowelle hegen sollte: Das klappt ausgesprochen hervorragend und schmeckt sogar so. Die Kollegen aus dem Backofen kommen da nicht ran. Und so lange ich keine Fritteuse besitze...

Sonntag, 15. Juni 2014

Mixed Pickles, oder: Das, was keiner sehen soll



Das Beste kommt zum Schluss. Nach dem Abspann. Wenn das Licht schon fast an ist und die Hälfte des Kinosaals auf dem Weg nach Hause. Dann gibt's das, was eigentlich keiner sehen soll. Stolpern, stottern, das große Chaos.
Ich liebe es.

Ist das noch Schadenfreude oder schon Mitgefühl – ob der Menschlichkeit cineastischer Heroen, der  Fehlbarkeit, die man selbst so gut kennt (nicht zuletzt aus der eigenen Küche)?

Verena hat vorgelegt, Christina schon vor zwei Jahren, und neulich habe ich das zugehörige Blogevent wiederentdeckt; Outtakes, mon amour. Im Netz mindestens ebensogern wie auf Leinwand.

Und weil wir gestern nach knapp zwei Stunden Schnippeln und Rühren und Machen und Tun vor unseren Tellern saßen und darauf ein Abendessen fanden, das zwar ganz hervorragend aussah, sich im Mund allerdings maximal durchschnittlich verhielt: et voilà, die Nominierten –

Montag, 9. Juni 2014

Geht doch: Tempeh-Sandwich mit Avocado, Sprossen und Salat


Den Versuch mit Hummus beschied der in Geschmacksfragen nicht ganz so radikale Kerl mit einem salomonischen „Jetzt-eher-nicht-so-der-Kracher“. Ich, Fraktion Ganz-oder-gar-nicht, fand das aromafreie Einerlei in meinem Mund dagegen ziemlich mies. Und schade: Vielversprechend ausgesehen hatte das Ganze schließlich.

So stand ich dann da mit einer halben Rolle Tempeh und Sprossen für eine ganze Fußballmannschaft. Die Idee, ersteres in einem sauren Soja-Honig-Gemisch zu baden und anschließend knusprig zu rösten, war an sich nicht schlecht. Auch der Gedanke, das Ganze auf Brot zu legen und mit Sprossen zu bestreuen, gar nicht doof. Bloß Hummus hat da nix zu suchen. Stattdessen: Avocado und Salat.
Ich sag' mal: Kracher.

Montag, 2. Juni 2014

Käsetoast deluxe – ein Dialog.


Aus der beliebten Serie „So einfach, so gut“, heute: Der Käsetoast.

Stellen wir uns einen Mann vor und eine Frau. Langsam, Stufe für Stufe, steigen sie eine Treppe hinauf. Sie sehen ein bisschen müde aus, kommen vom Bouldern.
„Pfannkuchen oder Käsebrot“, fragt die Frau den Mann zwischen zwei Schritten.
Der Mann überlegt einen Absatz lang. „Weiß nicht“, sagt er schließlich und stapft weiter hinter ihr her.
„'Weiß nicht' hilft uns nicht“, sagt die Frau.
„Dann entscheide du“, sagt er, Tapp, Tapp.
„Aber ich weiß es doch auch nicht“, sagt sie und klingt ein bisschen konsterniert, „deswegen frag' ich ja!“
Der Mann zuckt mit den Schultern, aber das kann sie nicht sehen.

„Mh“, sagt die Frau, als sie oben angekommen sind, den Schlüssel in der Hand. „Pfannkuchen hatten wir länger nicht. Aber in dem Käsetoast könnten wir das Brot verbrauchen, das ich zum Wandern gebacken habe, und das wir jetzt ja gar nicht gegessen haben.“
„Stimmt“, sagt der Mann und bückt sich nach seinen Schnürsenkeln.
„Gut“, sagt die Frau, „dann gibt es Käsetoast“, und schiebt den Schlüssel ins Schloss.

Mittwoch, 28. Mai 2014

Essen, wenn es bunt ist: Brownie and Oatmeal Monster Cookies


Zu Herrn G. aus B. mag man stehen wie man will. Ich steh' eher auf anderes, trotzdem ist an dieser einen Sache was dran: Musik nur, wenn sie laut ist. Oder eben: Essen, wenn es bunt ist.

Grüner Salat plus knalliges Dressing wie hier zum Beispiel. Kräftiges Gelb zu Blau und Braun. Oder, noch besser: alles zusammen. Vor allem, wenn es so regnet.

In diesen Keksen treffen sich darum M&Ms und Bretzel. Schokolade und Haferflocken. Neben den üblichen Verdächtigen Butter & Co.
Nein, das ist keine leichte Angelegenheit. Aber eine gute.


Montag, 26. Mai 2014

Übersprungshandlung, die: Rhabarber-Bayadere mit weißer Schokoladenmousse




Ich bin ein Mensch des Jetzt-und-gleich-und-soforts. Richtig heißt das, glaube ich, impulsiv. Wenn man sich spontan von Dingen begeistern lässt, sie in wildesten Farben ausmalt, um sich sofort und kopfüber hineinzustürzen. Ruhe, Besonnenheit? Wozu?

Die Zeit ist mein Feind. Alles, was ich nicht sofort anpacke, hat es später sehr, sehr schwer.
Alles? Fast.

Es ist nichts als Frage des Nervenkitzels: Reizt mich eine Sache nämlich so, dass sie mich selbst dann nicht mehr loslässt, wenn die umgehende Umsetzung ausgeschlossen ist, wird aus Kopflosigkeit Planung. Aus Impulsivität Berechnung. Und alles, was der Realisierung dann noch im Wege steht, wird genau da weggeschafft. Auf dass Zeit und Ort und Gelegenheit zusammenfallen mögen. Und etwas entstehe wie diese Torte.

Von Eva als Rhabarber-Bekehrung und Aromen-Wunder gelobt, landete sie augenblicklich auf meiner Nachbackliste – und zwar an allererster Stelle. Loslegen? Zu dem Zeitpunkt – Sonntag vor einer Woche – leider ausgeschlossen. Nächstbeste Gelegenheit: Donnerstagabend. Alles andere: egal.

Das erste Stück ließ mich Freitag etwas unschlüssig zurück: Die einzelnen Komponenten schmeckten für sich genommen prima, wollten auf der Zunge aber kein größeres Aha ergeben. Enttäuscht wollte ich den Versuch schon zu den Akten legen, als wir es Samstag nochmal versuchten. BÄM – die Mousse: limettige Säure, zarte Süße und ein wunderbare Konsistenz. Dazu: Mein Liebling Rhabarber, in hervorragender Gesellschaft von Nelken und ein bisschen Maracuja. Der Sandteigboden war sowieso pur schon ein Kracher, und alles zusammen: ein Traum.

Zwar hat Eva eine perfekte Rezeptvorlage geliefert und das auch erst vor gut sieben Tagen, trotzdem kann ich hier nicht an mich halten. Stichwort Impulsivität – meine Begeisterung will raus.

Darum, mit ein, zwei Anpassungen:

Donnerstag, 15. Mai 2014

Vive la fusion: Polentawaffeln mit Bánh-Mì-Salat, Tofu und scharfe Avocadocreme


Bánh mì also. Doch, hübsch: Knuspriges Baguette mit orangen Möhrenschnitzen, Radieschen-Pink und ganz viel Blattgrün. Dazu Fleisch, wer mag, für andere Tofu.
Wie das schmeckt?
Keine Ahnung. Wie Brot mit Salat, nur besser?

Dabei hat Salat da eigentlich gar nichts zu suchen: Laut Wikipedia bedeutet bánh mì auf Vietnamesisch Brot und nicht mehr. Brot mit Fleisch wäre also richtig bánh mì thịt. Was bloß keinen stört. Bánh mì ist Baguette in bunt – mit Grünzeug, Fleisch, was immer man mag.

Ob man die Kombination aus Grünzeug plus Extras also genauso gefahrlos bánh mì nennen darf, auch wenn von Baguette weit und breit nichts zu sehen ist? Oder müsste es bánh kẹp heißen, weil es statt Weißbrot Waffeln gibt?

Ich weiß es nicht. Ist vielleicht auch egal.
Uns hat's geschmeckt.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Strange things are happening: Süße Gnocchi mit Kartoffelmilchcreme, Oliven-Mohn-Bröseln und Blaubeeren


Täuschte ich mich, oder wurden die Augen des Kerls tatsächlich immer größer, als ich erklärte, was sich da alles vor ihm auf dem Teller befand: Oliven, ausgekochte Kartoffelschalen, Milchkaramell... Und fragte er sich, ob sein Bekunden, dass ihm die Sache ausgesprochen munde – nicht zuletzt die optimale Konsistenz der Gnocchi – so aufrecht zu erhalten war?

Er ließ zumindest nichts Gegenteiliges mehr verlauten und auch ich fand das alles sehr überzeugend: Süße Gnocchi mit Oliven-Mohn-Bröseln und Kartoffelmilchcreme zu Blaubeeren. Eins dieser Rezepte, die so abgefahren klingen, dass sie nur gut schmecken können (wobei es sich zumindest bei der Kombination Kartoffelkloßteig-Mohn sowieso um eine bewährte handelt). Zumal man mit der Idee, Zutaten möglichst vollständig zu verwenden, bei mir offene Türen einrennt.

À propos Reste: Einzig an den Mengenangaben wäre zu mäkeln – denn die vorgeschlagene Bröselmasse reicht für mindestens sechs und auch das Karamell ist ein bisschen viel, wenn man nicht auf Zuckerschocks steht.
Mei. Anpassungen siehe unten.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Die Entdeckung der Avocado oder: Roggenvollkorn-Sandwichbrot mit Avocado-Senf-Creme und Käse


Avocados sind so eine Art Tomatensuppe: Für meine Schwester gab es kinderjahrelang nichts Besseres, als sich abends mit Mama eine dieser tiefgrünen Birnen zu teilen, Zitronensaft darüber zu träufeln, ein wenig Salz und Pfeffer, dazu der herzhafte Biss in eine knusprige Scheibe Toast – sie strahlte.
Zu meinem völligen Unverständnis: Die Konsistenz, der Geschmack – alles an dieser „Butterfrucht“ ließ mich schütteln. Aber da es nunmal sowieso nur zwei Hälften gibt und Papa oder die andere Schwester keine Anstalten machten, sich dem Genuss anzuschließen, war das kein größeres Problem.

Wiegesagt: Tomatensuppe – trotzdem kein Grund, es nicht immer wieder zu probieren (womit ich offenbar nicht alleine bin). Und auf einmal eine Rezeptur zu finden, die einen ungläubig vor einem leeren Schüsselchen zurücklässt. War das tatsächlich Avocado? War das tatsächlich... lecker?

Eine B-Probe, schnell: Neue Avocado, gleiche Prozedur und siehe da: Das schmeckt – sogar roh, ohne jeden Zusatz! Allerdings sind die Dreingabe von Senf, ein bisschen Limettensaft sowie Pfeffer und Salz der Sache sehr zuträglich. In Kombination mit frischem Brot und Käse: ein echter Kracher!

Das Brot ist freilich auch so ein Tipp. Das war schließlich auch mal eine Art Tomatensuppe...

Donnerstag, 1. Mai 2014

Tag der Arbeit. Eine Idylle mit Popcornsuppe und Basilikumgarnelen


Der Kerl hat sich auf dem Sofa in der Küche eingerichtet, das Notebook auf den Knien, auf der Jagd nach diesem und jenem. Ich brenne Mandeln und rühre Milchkaramell. Hin und wieder tropft Regen auf die Fensterbank, die Waschmaschine rödelt.

Nachmittage. An denen man nicht viel sagt und sich trotzdem versteht. An denen man nichts tut und Enormes schafft. Von Dingen, die einem am Herzen liegen.

Am Ende dieser Idylle aßen wir Suppe von Popcorn.
Und hinterher Eis.

Dienstag, 29. April 2014

Zwischenmahlzeit: Kerniges Roggenvollkornbrot


Ein echtes Kraftpaket, der Kleine: Voll und ganz Vollkorn, 100% Bio und kernig und saftig zugleich. Ein Brot, das hervorragend unter Butter passt, meinetwegen auch unter Käse. Aber letzteren braucht es kaum – hocharomatisch ist die Sache nämlich auch so.

Und kommt mir gerade recht – in einer Zeit, in der ich Zeit in nicht allzu rauen Mengen habe. Zumindest für den Blog nicht: Die Sonne scheint, To-Do-Listen lachen und zwischendurch verlangt der Magen nach Brennstoff.

Et voilà.

Freitag, 18. April 2014

Mehl, Wasser, Salz: Knusprige Sauerteigbrötchen über Nacht


Wasser und Mehl. Ach ja, Salz. Für mich ist das immer noch eine mittelschwere Sensation: Dass das reicht, um Brot zu backen (oder Brötchen). Keine Hefe nötig, kein Pulver, kein nix: Drei Zutaten, ein Ofen und fertig ist der Lack – mitsamt herrlichster Löcher.

Das, was bei Lutz gerne „Wirkfehler“* heißt, ist für mich nämlich purer Genuss: Ich liebe grobporige Krumen, in denen sich die Butter schön sammelt, auf dass diese wunderbaren Inseln entstehen, über die sich die Zunge später so freut.

Entsprechend entzückt war ich über diese Brötchen: Knusprig braun dank Vollkornmehl und Roggensauerteig, angenehm herzhaft und voller fantastischer Krater...

Dienstag, 15. April 2014

Laktose(in)toleranz: Die Geschichte eines Milchmädchens. Dazu: Cheesecake-Eis mit Beeren


Kurz vor den ersten Symptomen scherzte ich noch: Das wohl Schlimmste, was mir in Anbetracht meines Milchkonsums passieren könne, sei eine Laktoseintoleranz.
Das Schicksal hat einmal herzlich gelacht.

Dann nämlich stand ich da: Bauchschmerzen, Übelkeit, das volle Programm. Der H2-Atemtest war eindeutig: Ab sofort war Milch tabu – kein Joghurt mehr, kein Eis und keine Vollmilchschokolade. Stattdessen Abstinenz: zuerst ging nicht mal die per se milchzuckerfreie Butter. Zum Glück hat sich das schnell relativiert. Zwar stellten sich sämtliche Sojaprodukte als genauso unschön heraus, aber die Segnungen der Minus-L-Industrie immerhin hielten ihr Versprechen. Ich lernte, Laktase richtig zu dosieren und dass meine Welt nicht untergeht.

Das ist zwei Jahre her. Seitdem habe ich einiges gelernt. Dass man Zutatenlisten lesen muss zum Beispiel, auch die von Pesto. Dass manchmal sogar in Wurst und Chips Milchzucker steckt. Und: Dass strikte Laktosediät unter Umständen mehr schadet als nützt. Weil der Körper das, was er nicht mehr braucht, nicht mehr produziert.* Also auch Laktase – jenes Enzym, das den menschlichen Darm befähigt, (Mutter-)Milch zu verwerten, vor allem den enthaltenen Milchzucker. Europäern, Amerikanern und einigen anderen Völkern bleibt diese Fähigkeit über das Säuglingsstadium hinaus erhalten, der überwiegende Teil der Menschheit jedoch verliert sie mit zunehmendem Alter. Das ist der eigentlich „natürlichere“ Zustand, schließlich – und das schreibe ich völlig wertfrei – ist Kuhmilch nichts anderes als Kälbermuttermilch und damit keine Menschen-, geschweige denn Erwachsenennahrung. Nichtsdestotrotz: Unsereins kann prinzipiell Laktose spalten und damit vertragen. Je nach Schweregrad einer Intoleranz gibt es also unter Umständen noch eine körpereigene Laktaserestproduktion und damit Laktoseverträglichkeit. Eliminiert man besagte Laktose allerdings gänzlich, wird der Körper früher oder später auch keine Laktase mehr vorhalten – wozu auch; wär' ja vergeudete Energie. Umgekehrt bedeutet das: Im Falle einer nicht hundertprozentigen Laktoseintoleranz kann ein gewisser Laktosekonsum helfen, die körpereigene Enzymproduktion aufrecht zu erhalten, im besten Falle sogar zu „trainieren“.*

Das hat mir allerdings niemand gesagt. Man liest zwar gelegentlich, das Betroffene dieses oder jenes in Maßen vertragen könnten, vorherrschend aber ist das Diktum: Laktose bei Laktoseintoleranz belastet den Darm, der dann vor allem in seiner Funktion als Immunzentrum des Körpers beeinträchtigt ist, und, wenn's dicke kommt, bleibend geschädigt wird. Zumal: Wer hat Lust auf Ärger? Und viele der Symptome einer Intoleranz bedeuten genau den.

Sicherlich ist das alles nicht zuletzt eine Frage der Ursachen und individuell höchst verschieden. In meinem Falle habe ich die Unverträglichkeit exzessivem Antibiotikakonsum samt Folgeerscheinungen zu verdanken, nicht aber gravierenderen Erkrankungen wie Zöliakie o. Ä. Trotzdem war jedes Fitzelchen Laktose in der Anfangsphase eine kleine Tortur. Und danach hatte ich mich längst an den Verzicht gewöhnt: An die Erklärungen, dass auch Sahnekefirschmand laktosehaltig sind, sorry. An den Griff zum Tablettenblister.
Der Gedanke, dass sich das womöglich relativieren, bessern könnte, kam mir nicht. Bis jetzt.

Ich war genervt, für Cappucchino und Frischkäse den obligatorischen Laktaseaufschlag zu zahlen, so es überhaupt Äquivalente gibt. Ich hatte keine Lust mehr, jede Kugel Eis auf ihren Milchzuckergehalt zu taxieren oder zur Sicherheit nur Sorbets zu lutschen. Und so gerne ich Bitterschokolade mag: Die Sorten mit Vollmilch sind einfach interessanter.

Ich recherchierte. Stieß auf fragwürdige Desensibilisierungsverfahren, bei denen man jeden Morgen sechs Stunden nüchtern bleibt. Falls man überhaupt etwas isst. Kaufte stattdessen einen Becher Joghurt: Mango von Andechser – vorher ein absoluter Favorit. Außerdem: laktosehaltig.
Ich stellte ihn in meinen Kühlschrank und holte ihn hin und wieder heraus. Um ihn anschließend ungegessen zurückzustellen, weil Beschwerden aus diesem oder jenem Grund gerade einfach nicht passten.
Irgendwann nahm ich doch einen Löffel und löffelte 150g stinknormalen Joghurt aus. Es passierte – nichts. Ich kaufte noch einen Joghurt und eine große Flasche (!) Milch. Bio, 3,8% Fett, mit dicker Rahmschicht.

Seither teste ich. Müsli halb und halb. Eine Kugel Eis, zwei, zwei plus Extras. Torte ohne Tablette. Es geht erstaunlich viel.
Tofu und Co sind schon länger wieder Bestandteil meines Speiseplans, aber inzwischen kaufe ich auch das Meiste aus der Meiereriabteilung „normal“. Das Schlimmste, was mir bis dato passiert ist, war ein aufgeblähter Bauch. Nicht schön. Aber auch kein Problem.

Warum ich das alles schreibe?
Weil zwar seit einiger Zeit unheimlich viel berichtet wird, trotzdem an vielen Stellen Desinformation herrscht, auch unter Ärzten („Trinken Sie einfach Ziegenmilch, die ist laktosefrei.“ Wahlweise freilich Ilse Aigners Heumilch. Bullshit – beides.). Weil ich den Eindruck habe, dass sich die einschlägige Industrie genau damit eine goldene Nase verdient. Und weil ich jedem wünsche, dass es ihm so geht wie mir und irgendwann wieder einfach Eis essen kann. Beschwerdefrei. Und ohne Tablette.

Dieses ist ein weiteres aus der Serie „cremiges Eis ohne Eismaschine“, allerdings hier unter Verwendung von Eiern. Im ersten Moment fand ich den Geschmack nicht ganz so gut wie bei der Version mit (selbstgekochter) Kondensmilch, inzwischen mag ich's aber sehr gern. Einziger Wermutstropfen: Die leicht kristalline Konsistenz der Beeren. Mei – wenn's weiter nicht ist...

Mittwoch, 9. April 2014

Sauer macht lustig: Pain bordelaise


Ich nehme alles zurück. Ich behaupte sogar das Gegenteil: Brot ist prima – auch abends.
Wobei ich den Teil mit dem Brot tatsächlich nie bestritten habe. Bloß das dem Abend war meine Sache nicht.

Kurioserweise ist an diesem Sinneswandel der Urlaub in den Niederlanden schuld, und der Umstand, dass dort größere Anstrengungen notwendig sind, Brot aufzutreiben, das diesen Namen verdient. Wie ich nämlich erfolglos versuchte, ein Stück der ortsüblichen Luftikusse zu buttern, empörte ich mich lautstark beim Kerl, dass es doch wohl so schwer nicht sein könne, Wasser und Mehl derart zu vermischen, dass am Ende etwas herauskommt, das buchstäblich hält, was es verspricht (Was 'n Satz!).

Und so tat ich genau das: Mehl, Wasser, Zeit. Wachte mit Argusaugen über dem Brei in meiner Schüssel, auf das er auch ja die verlangten Blasen werfe.
Tat er. Und wie!

Für viele von Euch ist das völlig normal, ich weiß: Anstellgut, Gare, Hydration. Ich hingegen kannte bis dato nur Hefe und war stolz wie Bolle, einen Begriff wie „Ofentrieb“ erstmals korrekt anbringen zu können (– sehr zum Amüsement meiner Kommilitonen).

Meine erste Anlaufstelle war Steffis Pain bordelaise: Schon lange gespeichert ob der fantastischen Porung – auf dass der Tag kommen möge, an dem mein erster eigener Sauer fertig wäre. Seither säumt ein Brotrezept nach dem anderen meine Tableiste, ich bin Stammgast bei Lutz, Pöt und Steffi und kann es mir gar nicht mehr vorstellen, kein Brot im Haus zu haben.

Dank u dus wel, Nederland.

Donnerstag, 3. April 2014

W wie Wunderlauch: Geschmorte Frühlingskarotten mit Wunderlauchsauce, Schmorzwiebeln und Tofu


„Das ist Wunderlauch, verwandt mit Bärlauch!“, rief mir eine Mutter vom Familienfahrrad aus zu, als sie an mir vorbei durch den Stadtwald rauschte. Ich kniete da tief in einem Meer aus riesigen Grashalmen und beäugte das Grün in meinen Händen skeptisch: Die Knofifahne unverkennbar – aber von der charakteristischen Maiglöckchenform? Keine Spur.

Wunderlauch also. Nie gehört.
Unentschlossen zupfte ich ein, zwei weitere Blätter aus(, auch, wenn ich natürlich weiß, dass man eigentlich schneiden soll) und hatte plötzlich ein putziges kleines Zwiebelchen in der Hand. Och!
Ich beschloss, es vorläufig bei diesem Pröbchen zu belassen und bestieg mein eigenes Rad.

Zu Hause erklärte mir Wikipedia, dass das mit der Verwandtschaft völlig richtig ist, dass man Wunderlauch auch als seltsamen Lauch oder Berliner Bärlauch kennt und man ihn bedenkenlos verkochen kann. Hervorragend!


Wenn das nicht die Steilvorlage zur Einweihung meines Geburtstagsgeschenks – Stevan Pauls und Kathrina Seisers „Deutschland vegetarisch“* – wäre! Schließlich hatte die österreichische Version* schon für ausgesprochen glückliche Tellermomente gesorgt und mich die vorab veröffentlichten Kürbissuppe und die Spinat-Kartoffel-Wickelklöße restlos begeistert. Am Rezept für geschmorte Bundmöhren mit Bärlauchsauce und Schmorzwiebeln war gleich beim ersten Blättern eins der Lesebändchen hängen geblieben – völlig zurecht, wie ich inzwischen weiß: Die Sauce allein ist eine uneingeschränkte Empfehlung, und das Gesamtkonzept mit den eher deftigen Zwiebeln zu fein anis-igen Karotten: sehr, sehr lecker!

Statt des vorgeschlagenen Eis gab es hier Tofu. Und zum Tunken der Sauce selbstgebackenes Brot. Aber davon später mehr...

Montag, 31. März 2014

Schaum schlagen: Orangentorte mit italienischer Meringue

Manchmal macht mir das alles ein bisschen Angst. Die Bloggerei, die damit verbundene Recherche... man stößt auf Gelüste, von denen man nie geahnt hätte, dass es sie gibt. Marshmallows zum Beispiel, oder zu Deutsch: Mäusespeck. Hielt ich lange für den Ausbund an Widerlichkeit. Konsistenz, Geschmack – pfui deibel.

Was mich Weihnachten nicht daran hinderte, welche zu machen. Und festzustellen, dass Marshmallows in Kakao gelöst eine bomforzionöse Sache sind.
So gut, dass ich mich dabei ertappte, Kollegen Marshmallow Fluff – wahlweise: Schaumkussfülle oder italienische Meringue – zu begutachten und zu finden, dass das gar nicht so absurd aussieht. Sicher: Eiweiß und Sirup sind alles andere als Vollwertfraß, aber selbstverrührt auch nicht das Teufelszeug schlechthin.

Irgendwann steht man dann also da mit einer Torte, auf die genau das gehört. Die gefüllt ist mit einem Orange Curd, das allein Elogen wert wär'. Und die viel zu schnell verschwindet.
Fanden die Mitgenießer. Fand ich selbst.

Achso, und sollte was übrig bleiben von der Meringue: Brot, Erdnussbutter, Fluff. Nennt sich „Fluffernutter“ und schmeckt – ja: bomforzionös.

Samstag, 29. März 2014

Der letzte Krümel, oder: Amsterdam.

Unweit der Uni waren es in Amsterdam zwei Schaufenster, vor denen ich stehen blieb. Kuchen, Quiches, Scones, Croissants. Und zwar: Super Kuchen, tolle Quiches, kernige Scones und diese Croissants...! Ich hatte Appetit.
Hinter den Scheiben drängte man sich: Mädels mit Haarknüddeln auf dem Kopf, Kerle in beuligen Anoraks, und Platz war sowieso nicht viel. Wir gingen weiter.

Eine dreiviertel Stunde später waren wir wieder da; ich hatte Hunger. Man drängte sich noch immer und wir versuchten, in näherer Umgebung ein Äquivalent zu finden.
Zwanzig Minuten später standen wir wieder vor dieser Scheibe – und hatten Glück: Zwei Weinkisten waren drinnen gerade frei geworden.

Dienstag, 25. März 2014

Es ist noch Suppe da: Curried Apple, Potato and Carrot Soup


Den Kartoffeln war nach Expansion zumute, der Apfel hatte eine dicke Delle. Die Karotten spielten Gummitwist und der Vorratsschrank hatte nicht viel mehr auf Lager als ein einsames Döschen Kokosmilch.
Am letzten Abend vor dem Urlaub passte alles perfekt: Die Taschen gepackt, der Kuchen im Ofen, das Chaos (weitgehend) beseitigt. Fehlte: Ein Abendessen – aus besagten Ingredienzien.

Google schlug Suppe vor.
Ich hätte nie gedacht, dass Karotte, Kartoffel und Kokosmilch so gut zu Apfel und Curry passen – aber genau das ist der Fall. Was so aus dem Topf kommt, schmeckt wunderbar rund und voll – Qualitäten, die an die eine Kürbissuppe erinnern, der es tatsächlich gelang, meine One-and-only-Komposition vom Thron zu stoßen.
Ich fürchte nun, wir müssen öfter in den Urlaub fahren. Oder ganz schnell auf den Markt...


Dienstag, 18. März 2014

Far from ordinary: Bacon Jam Pizza


„Hast du heute auch einen Pi-Pie gebacken?“, wollte der Kerl elektronisch von mir wissen und verwies – garantiert grinsend – auf diesen Artikel.
Ich grunzte: 14.3., Pi-Tag – wie konnte mir das entgehen! Als Freundin eines Naturwissenschaftlers... ein Sakrileg.
Ich formulierte ausführliche Erklärungen und schloss mit dem Hinweis, dass für den Abend immerhin etwas mit „Pi-“ geplant sei.

Genauer: Bacon Jam Pizza. Eins dieser Kuriosa, die ich so mag: Pizza mit Tomatensauce, Schinkensalamipilzen und Käse? Ja, nett, aber geht das auch innovativer? Wie wär's mit Carbonara, Zitrone, Ei – oder eben: Marmelade aus Speck?
Die schmeckt leicht süßlich und trotzdem herb. Vor allem an den Stellen mit den Cherrytomaten fand ich das Ganze ganz schön prima.

Bloß eine aromatischere Grundlage hab' ich vermisst: Zwar ist unser Teig volle drei Tage im Kühlschrank gereift, und hat im Ofen die herrlichsten Blasen geworfen, aber geschmacklich war er allenfalls durchschnittlich – schade!

À propos kurios: Derweil ich euch diese Pizza serviere, treiben wir uns hier herum. Ich bin sehr gespannt auf die kulinarische Komponente... :D

Samstag, 15. März 2014

State of the Art: Streichzarte Schokonusscreme & Bilderbuch-Bagel


Darf ich mich dazustellen, Eva, Micha? So wie ihr um eure Brote ringt, kämpfe ich mit Bagels: Zu weich, zu flach, ein einziges verwachsenes Monstrum – ob ich am Ende tatsächlich Kleingebäck aus dem Ofen ziehe, das diesen Namen verdient, ist echtes Roulette.

Oder: Ein langer Lernprozess (Ein Kurs bei Lutz würde auch mir nicht schaden, im Gegenteil!). Ich weiß jetzt, dass man das Backpapier ölen sollte, auf das man die Teiglinge zum Gehen legt, und dass eine Fettpfanne die ideale Abdeckung ist. Teig, der nicht zur Übernachtgare gedacht ist, sollte auf keinen Fall so behandelt werden – und wenn im Rezept etwas von „Kühlschrank“ steht, dann hat das seinen Sinn! Der Trick mit dem zerschnippelten Backpapier von Gabi ist Gold wert – und am Ende ist es doch ein bisschen Glück.

Und wenn wir schon bei „learnings“ sind, wie es Neudeutsch heißt: Die perfekte Schokonusscreme ist nichts als eine Frage des trial and error. Massen, die im warmen Zustand streichfähig sind, bleiben das nicht lange, garantiert (diese auch nicht, leider). Nüsse, die nicht wenigstens restwarm sind, lassen sich dafür gar nicht erst in solchen Zustand versetzen. Und spare nie, wirklich nie, an der Güte deiner Schokolade!

Umgekehrt bedeutet das: Wenn die Creme einer Puddingsauce gleich vom Messer rinnt, ist sie zwei, drei Stündchen später – richtig: perfekt. Und der Kerl ist ein kritischer Tester, wenn es um Schokonusscremes geht, Ausschlusskriterium „zu nussig“.
Diese hier verteilte er genüsslich auf seinem Bilderbuchbagel und vertilgte beides mit einem Lächeln auf den Lippen.

Darum (sorry, Eveline): Mein vorläufig letztes Wort in Sachen Nutella. Und Bagels.

Mittwoch, 12. März 2014

Ein Plädoyer: Kimchi Grilled Cheese Sandwich & wirklich fantastisches Blutorangen-Zimt-Dressing auf Salat


Kimchi war das einzig Positive bei einem Besuch in einem als ausdrücklich authentisch gerühmten koreanischen Restaurant. Der Rest der Karte war gespickt mit Fußnoten, in denen von „Farbstoffen“ zu lesen war und „Geschmacksverstärkern“. Die rühmlichen Ausnahmen – doch, es gab sie – entpuppten sich als leider nur eher so geht so. Doof.

Es tut mir leid, aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, was an künstlichen Geschmacksverstärkern authentisch sein soll. Zumal ich bei meinen (leider bisher nur) virtuellen Reisen gen Asien nicht den Eindruck hatte, als gehöre derlei notwendig dazu – in Korea oder sonstwo. Sicher: Es gibt sie, die Fälle. Aber die Regel sind sie (hoffentlich) nicht.

Ich mag es pur. Ich will, dass meine Kartoffel nach Kartoffel schmeckt und mein Salat nach Salat (und nicht nach Kartoffel-nur-noch-viel-kartoffeliger und Mannomann-was-für-'n-krasses-Zeug). Und ich weiß, dass das mal mehr so sein kann und mal weniger – je nach Jahreszeit, Zubereitung, Qualität des Produkts.
Das ist der Grund, weshalb ich den Markt besuche. Weshalb ich wissen will, woher das kommt, was ich esse. Weshalb ich versuche, möglichst viel selbst zu machen. From scratch, wie man in Amerika sagt.

Natürlich ist das Arbeit. Natürlich kostet das Zeit (wobei ich die unter quality time verbuche, aber das ist eine andere Geschichte). Aber das Ergebnis ist es – richtig – mehr als wert.

Mir ist schon klar, dass Plädoyers wie dieses unendlich oft verfasst worden sind. Dass es eine Art Blogger-Gesetz ist (und damit vielleicht auch ein Luxusproblem), regional und saisonal und, ja: authentisch zu kochen. Aber ich weiß auch, dass es jenseits dessen ganz schnell aufhört mit dem Qualitätsbewusstsein und Nachhaltigkeitswissen – in koreanischen Restaurants, an Supermarktkassen, beim Bäcker im Bahnhof.
Und das finde ich unheimlich schade.

Es ist ja meistens wirklich nicht schwer: Eine Ladung Kimchi braucht – zugegeben – zwei, drei Zutaten, ein Messer und eine Schüssel, mais c'est ça. Dieses wirklich ganz grandiose Dressing auch. Und (vernünftiges) Brot zu schneiden, schafft jeder, oder (Lach' nicht, Kerl!)?
Prima.

Dienstag, 11. März 2014

Aufräumarbeiten: Cremiges Schokoladeneis ohne Eismaschine


Ich hätte (m)ein Wörtchen mitzureden. Prokrastination? Eins plus mit Sternchen! Ich habe gelernt, Kimchi zu machen und Marmelade mit stinknormalem Zucker. Ich bin ganz nah dran an Omas Pfannkuchen und Eis – Eis kann ich jetzt auch.

Das geht nämlich prima auch ohne Maschine oder aufwändige Kocherei und Ei. Man muss nichtmal alle halbe Stunde rühren (um dann doch mit einem beinharten, kristallinen Block dazustehen). Der Trick? Kondensmilch und Sahne.
Eine Kombination, die ich dringend mit anderen Zutaten paaren muss. Karamell und Mandeln zum Beispiel, wie bei Verena. Weiterhin Keksstücken, Honig, Pistazien, Kaffee, Whisky und Rum.

Das aber dann, wenn die Dinge, die stattdessen getan werden sollten, wirklich endlich erledigt sind. Viel ist es auch gar nicht (mehr). Man könnte also schnell noch...

Weiteres Nebenprodukt meines Ablenkungsverhaltens sind übrigens ein aufgeräumter(er) Blog: Beiträge, von denen ich aus verschiedenen Gründen nicht mehr überzeugt bin, habe ich gelöscht (vielleicht fliegt noch mehr), außerdem Dinge, die ich so nicht wieder machen würde. Ich habe einige Bilder nachbearbeitet und überlege noch, wie ich Überblick und Über-Seite aufbessern könnte.
Irgendwann. Bald. Mal sehen.
Bis dahin:

Donnerstag, 6. März 2014

Ein Königreich für Kohlenhydrate: Bretzel-Burger mit Bier-Fritten aus dem Ofen


Nein, dies ist kein Fastenpost. Dabei bin ich hocherstaunt, wer derzeit so alles auf was verzichtet – Chapeau. Ich selbst habe mit derlei einige eher unschöne Erfahrungen gemacht – wenn man's macht, macht man's zu richtig – und halte es seither mit Benjamin-Franklin-Oscar-Wilde-oder-wer-auch-immer-erstmals-den-Ausspruch-tat: „All things in moderation – including moderation.“

Das gilt freilich auch für Fast Food. Oft gibt es das nicht. Und wenn doch, dann bitte vom Händler des Vertrauens – dreimal dürft ihr raten, wer nicht dazugehört – oder noch besser: aus der eigenen Küche.

Dem Kerl war am Wochenende nach Burgern – leider zu einem Zeitpunkt und an einem Ort, zu bzw. an dem die Quellenlage... nun: problematisch war (Die Alternative leider auch, aber das ist eine andere Geschichte). Außerdem konnte der gute Mann nicht ahnen, dass ich längst ein „Projekt“ in der Pipeline hatte: Ofenburger mit Bierfritten, Foodgawker sei Dank.

Der Kerl bekam also seinen Burger, nur ein bisschen später. Vielleicht auch ein bisschen besser. Jedenfalls bedachte er, derweil ich noch über meine Portion gebeugt mit widrigen Lichtverhältnissen focht, sein Exemplar mit einem ausdrücklichen „Mh!“ Ich selbst war, als ich das Unternehmen „Foto“ zu den Akten gelegt hatte, ebenfalls hocherfreut. Bei den Fritten waren wir uns nicht ganz sicher, ob man das Bier tatsächlich schmecken kann oder nicht (tatsächlich mal über Nacht ziehen lassen?) – jedenfalls schmeckten auch die höchst anständig. Ein Rest Mayo dazu... schöne Sache.

Ach, und von wegen „Fast Food“: Drei Stunden sollte man einkalkulieren, wenn man – wie hier – alles selber macht. Allerdings lohnt sich das. Ein Königreich für Kohlenhydrate.

Montag, 3. März 2014

Herr K. kann einpacken: Peanut Butter & Honey-Granola


Man kennt so genannte Totschlagargumente, meist endend auf „- basta“. Weiterhin gibt es Totschlagkombinationen, die bestehen beispielsweise aus Lachs und Dill. Oder Rosine und Zimt. Milch und Honig. Sowie: Honig und Erdnussbutter.

Ein namhafter Cerealienkonzern weiß das natürlich und vertreibt darum ein Produkt, das ebendiesen Honig mit besagten Nüssen, ein, zwei anderen Dingen und Cornflakes kombiniert. „Crunchy Nut“ heißt das Ganze und schmeckt durchaus prima. Ein wenig süß, sicher, aber das ist an dieser Stelle ja nicht weiter überraschend.

Zumal auch unsereins ja Ansatzpunkte braucht: Beispielsweise in der Reduktion dieser Süße, außerdem der Elimination gewisser Zusätze. Um schließlich mit etwas dazustehen, das optisch vielleicht nicht hundertprozentig dem Original entspricht, geschmacklich aber locker mithält. Insbesondere in der Kombination mit Milch. Nur so von wegen Totschlagargument...

Donnerstag, 20. Februar 2014

Anneliese aus meinem Biogarten oder: Blaue Kartoffelsuppe mit Dill-Chips und Onlineshop-Test


Manchmal ist es reine Kopfsache. Ob man Lämmchen isst oder nicht oder in Tümpeln badet oder seine Lebensmittel im Internet kauft. Ich habe das einmal gemacht – Chiasamen, die seinerzeit zwar in aller Munde waren, aber noch nicht im Regal meines Biosupermarkts. Ach ja, und Würstl hab' ich mal bestellt – aus einem kleinen Stüberl am Alpenrand, auf das wir im Urlaub gestoßen sind und hingerissen waren von Gamswurzen und Hirschsalami.
Ausnahmen, die eine Regel bestätigen, die da lautet: Mir geht das nicht in den Kopf. Klamotten, Bücher, Küchengeräte – alles keine Frage. Aber Appel, Milch und Ei? Gibt's im Geschäft und auf dem Markt, Schlussende!

Kopfsache, wiegesagt. Denn Bio, regional und günstig bekommt man längst auch online. Beispielsweise von deinbiogarten.de, die mich wie Franzi und Arne eingeladen haben, ihren Shop zu testen. Das hat gedauert – was einerseits meinem Alltagspensum geschuldet war, andererseits sicher auch dem Umstand, dass es einfach nicht meiner Routine entspricht, zwei bis drei Tage im Voraus zu wissen, was mir an Zutaten fehlt. Dabei stimmt auch das nicht ganz: Lachen mich auf dem Markt Schwarzwurzeln an oder finde ich Möhrchen im Angebot, werden die disponiert – Verwertungspotential findet sich immer. Warum also nicht auch online?


Zumal es bei deinbiogarten.de Dinge gibt, die es hier nicht (immer) gibt: Blaue Kartoffeln zum Beispiel, Maracujas, Bitterorangen, Kokosblütenzucker. Außerdem verschiedendste Biokisten, Rezepteboxen, Müslis, Russisch Brot – Waren, die ungekühlt haltbar sind, weitgehend saisonal und einigermaßen transportabel. Tofu oder Pflanzenmilch habe ich allerdings vermisst. Und ein bisschen mehr Auswahl: Warum zum Beispiel gibt's nur Mandeln, aber keine Haselnüsse oder Cashews (Ah, gibt es doch, schreibt mir deinbiogarten.de – allerdings unter Snacks und nicht unter Backzubehör...)?

Das, was es gibt, bekommt man allerdings zu Preisen, die man auch im Bioladen zahlt – und dazu meist ausführliche Herkunftsbezeichnungen und Infos zu Inhaltsstoffen und Nährwert. Die Kochzeit meines Reises allerdings musste ich googlen – die eine und andere orthografische Freiheit hätte ich dafür gerne übersehen... aber das ist mein persönlicher Tick.
Seinen Einkauf jedenfalls – auch die Biokisten – kann man sich nach Lust und Laune zurechtkombinieren (Zumindest im Rahmen vorgesehener Margen. Einzelne Möhren oder Zwiebeln, wie ich sie in vielen Bioläden abwiegen kann, gehen nicht.) und termingerecht liefern lassen. In meinem Falle: Ein Packerl Natur-Basmatireis, ein Tütchen Mandelhobel, zwei kleine Dosen Kokosmilch, Zucker und ein Pfund blaue Kartoffeln zu 20,50 Euro inklusive Porto, Lieferzeit: zwei Tage.

Wie bei Franzi kam auch kam diese Order auch bei mir im großen Recycling-Pappkarton an. Ebenfalls jeweils in stabile braune Papiertüten gewickelt. Was ich – anders als Franzi – bei Dingen, die ohnehin schon konserviert oder verschweißt sind, einigermaßen witzlos finde, Wiederverwertbarkeit hin oder her. Es sei denn, es diente der Geräuschs- bzw. Stoßminimierung beim Transport – allerdings hätte es dazu hier auch ein kleinerer Karton getan. Die Qualität der Frischware, sprich den Kartoffeln, war einwandfrei, die Mindesthaltbarkeitsdaten der übrigen Produkte lag im Rahmen. Und andere Onlinehändler haben mir bis dato höchst selten ein handgeschriebenes Kärtchen dazugelegt...


Wer sich also – anders als nicht – nicht über Bio-(Super-)Marktvielfalt in Radlweite freuen kann, „regional“ unter Umständen ein bisschen weiter auslegt (deinbiogarten.de sitzt in Berlin) und keine zu speziellen Wünsche hat, der ist mir deinbiogarten.de sicher gut beraten.

Ob ich die Sache wiederholen würde? Für Dinge, die es vor Ort partout nicht gibt, vielleicht. So wie die Blaue Anneliese – mit der ich endlich jene Suppe kochen konnte, die mich seit gut einem Jahr anlacht. Nichts Irres, eher ein grundsolides Abendmahl. Und Dill adelt ja sowieso alles und jeden... knusprige Chips erst recht.