Donnerstag, 12. September 2013

Unter die Haut: Koriander-Brathähnchen mit Kokossauce


Das Messer war silbrig-grau und scharf. Ich hielt es in meiner rechten Hand, während mein Blick auf jenem Vogel ruhte, der vor mir auf der Arbeitsplatte lag – unschlüssig, was zu tun sei.
Das heißt, nein: Wie es zu tun sei. Denn über das Was – sein möglichst fachgerechtes Zerlegen – bestand kein Zweifel.

Ich warf einen Blick über die Schulter zum Kerl, der freundlich zurückschaute – auf meine Frage, wie man das denn bitte anstellt, mit diesem Tier und seiner Tranchierung, allerdings auch keine Antwort wusste.
Ich wandte mich wieder dem Huhn zu – übrigens ein ausgemachtes Prachtexemplar von güldener Bräune und einem ganz unverschämt guten Duft –, dass sich seinerseits darüber ausschwieg, wie das Messer anzusetzen sei und wo. Tja, blöd, ne, alte Teilzeit-Carnivore...?

„Nun“, dachte ich also, „gut“, und wog das Messer in der Hand. „Wird schon so schwer nicht sein“, und visierte mit der Klinge einen der beiden Schenkel an (Die bei uns übrigens „Bollen“ heißen, aber das nur am Rande) – Ruck.
Ha! Das war ja einfach! Der zweite: Ruck! Haha!

Triumphierend schwenkte ich meine Beute in Richtung Kerl, der ermunternd nickte, derweil der Bratensaft lief und lief, dass es eine Freude war.

An dieser Stelle... blenden wir aus. Denn alles, was dann kam, war... nun: eigenwillig.

Wir lernen:

1. Google kann alles und weiß alles – wenn man es rechtzeitig fragt.
2. Papa kann alles und weiß alles – wenn man ihn rechtzeitig fragt.
3. Bretter mit Rinne außenrum haben in der Bratgutzerlegung ihre volle Berechtigung.
4. Lecker.

Um nicht zu sagen: Lecker!
Auch, wenn Hühnchen natürlich eigentlich erst Hühnchen ist, wenn es mit Mandarinen serviert wird und Papas legendärer Was-halt-gerad'-so-da-war-Sauce – nein, ich meine, man kann sagen: Das isse, die Konkurrenz!
Die Korianderpaste verpasst dem Ganzen nicht nur einen ganz außerordentlichen Duft (und interessante Couleur), sondern versorgt das Fleisch mit einem intensiven und trotzdem nicht aufdringlichen Aroma, das ein bisschen asiatisch ist und doch wieder nicht. Dank Römertopf (?) bleibt das Fleisch zart und saftig – und die leicht scharfe Kokossauce ist das Tüpfelchen auf dem I.
Sogar der Kerl, der, hat er die Wahl, alles lieber isst als Huhn, war sehr, sehr angetan.

Wenn das kein Bloggerpausenende ist.

Koriander-Brathähnchen mit Kokossauce
nach Bill Granger „Happy Holiday“* via Valentinas Kochbuch

Zutaten für drei Personen

KRÄUTERPASTE
1 Bund Koriander
25 g Kokosraspeln
3 lange grüne Chilis
3 Knoblauchzehen
4 Streifen selbstgemachter Gari (oder original: 1½ TL geriebener frischer Ingwer)
4 EL Limettensaft (oder: Saft von 1½ Limetten)
1 TL brauner Zucker

HUHN
frisches Bio- und/oder Freilandhuhn (hier: 1,15kg schwer)
Salz
Pfeffer
Olivenöl

KOKOSSAUCE
1 TL Currypaste, grün oder rot
125ml Reis-Kokosmilch
1 TL Limettensaft
1 Prise Zucker
1 EL Kartoffelstärke
(1 TL Fischsauce – hab' ich vergessen, hat aber net gefehlt)

DAZU
125g Basmatireis
grüner Salat – dieses Dressing war sehr gut dazu 


So geht's
Für die Kräuterpaste Koriander waschen, trockenschütteln und samt Stängeln grob hacken. Chilis entkernen und ebenfalls grob hacken. Knoblauch schälen und – genau! – grob hacken.
Zusammen mit (grob gehacktem eingelegten oder geriebenem frischen) Ingwer, Kokosraspeln, Limettensaft und ggf. etwas Wasser in einem hohen Gefäß mit dem Stabmixer zu einer Paste pürieren. Mit Zucker und Limettensaft abschmecken.

Ofen auf 220°C vorheizen, Römertopf wässern.
Das Huhn mit Wasser abspülen und trocken tupfen. Auf den Rücken legen und mit den Fingern vorsichtig die Haut von Brust bis Schenkel lösen. Jetzt kommt der schm/(w)ierige Part: Etwa die Hälfte der Paste in genau diesen Haut-Fleisch-Zwischenbereich schieben und verstreichen – am besten bei den Schenkeln anfangen und zurück zum Hals arbeiten. Den Rest der Korianderpaste im Hühncheninnenraum verteilen.

Schenkel mit Bindfaden zusammenschnüren und das Huhn rundherum mit ordentlich Olivenöl massieren. Salzen und pfeffern und (ggf. auf das kleine Gitter) in den Römertopf legen.

Ohne Deckel im Ofen 20 Minuten bei 220°C garen, dann Hitze auf 200° 'runterregeln und noch ca. 30 Minuten mit Deckel weiterschmurgeln lassen. Fertig ist das Tier, wenn der Saft beim Einstechen in die dickste Schenkelstelle klar austritt.
Aus dem Ofen nehmen und zehn Minuten ruhen lassen.

Dann (fachgerecht) tranchieren und mit Kokossauce, Basmatireis und einem grünen Salat servieren, die man zwischendurch folgendermaßen zubereitet hat:

Reis in doppelter Menge leicht gesalzenem Wasser aufkochen lassen und bei geschlossenem Deckel garziehen lassen.

Für die Sauce Currypaste unter Rühren in einem Topf anrösten, bis sie anfängt zu duften. Mit Kokos-Reismilch ablöschen und Stärke unterziehen. Kurz köcheln lassen und mit Limettensaft und Zucker abschmecken.

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Kommentare :

  1. Schön, dass du, so furios, wieder da bist! :-) Deine Korianderpaste etcpp. schnappe ich mir für das letzte Bein des Monsterhuhns,danke.

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    1. Bitte gern - Eindrücke lasse ich mir gern berichten... :)

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  2. mmmhhhh ..., wie das duftet! Herrlich :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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    1. Sag' nicht, dass das Geuchsnetz DOCH schon erfunden ist, ohne dass ich davon weiß... ;)

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  3. juhuuuuuuuuu & yeaaaaaah sie postet wieder!
    Hab mir gestern den Post gleich zwei mal durchgelesen!

    also, wie gesagt, dass einem manche virtuellen Sachen so abgehen können hätte ich mir nieee im Leben gedacht!
    Klasse dass du wieder bloggst!

    So, will gar nicht mehr sagen, außer wieder mal ein gelungener Post und schöne Bilder! Wirklich, finde ich echt klasse!

    lg Netzchen (DEIN STAMMLESER Nr.1)

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    1. Oha, allein Deinetwegen sollte ich mich also offenbar wieder zu etwas mehr Disziplin aufraffen, was? Kann ja keiner verantworten - derlei Entzugserscheinungen... :)
      Merci bien, Du!

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    2. hi, freut mich , wenn ich so ein kleiner MotivationsKICK bin!
      also, dein Kuchen Momofuku Layer cake ist echt genial!

      danke für den tollen POST!!!

      lg netzchen

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