Donnerstag, 30. Mai 2013

Von Lerchen und Eulen und einer kleinen Vogelhochzeit mit Giraffenbrötchen


Ich bin das, was in Fachkreisen „Lerche“ heißt: Wecker um sechs? Kein Ding. Instantan aufstehen? Macht mir nix! In die Vollen? So ab sieben. Und nach 18 Uhr? Äääh... ja.

Klar: Am Wochenende habe ich nix gegen 'ne Extraportion Kissen und Sonderschichten im Bett. Wenn. Ja, wenn. Freund Biorhythmus nicht wär'. Den hab' ich nämlich auch – millisekundengenau. Und lauter als jeder Wecker.

Wir haben also unsere sieben, acht Stunden geschlafen? Vorher nichts Großes gemacht? Ja, prima! Dann bitte: „Aufstehen! Haaallo! Ich bin waa-hach...!“
Ich denke, es ist nicht ganz falsch, es sich so vorzustellen, wie es sein wird, Kinder zu haben. Nur, dass die serienmäßig mit den Sonderausstattungen Decke-wegziehen und Matratzentranpolin kommen. Welche Freude wird das sein!

So oder so: 'S hilft nix. Wach ist wach. Und wach ist nicht weit von hungrig. Und hungrig ist ganz, ganz schlecht.
Also: Aufstehen. Essen. Und... Mist. Kerl. Den gibt's ja auch noch. Liegt da grotesk in seine Laken verschnürt, schnarcht und ahnt von nichts. Tja. Äh... blöd.
Also... Kekse. Kekse sind immer gut. Und dann mal schauen, was so geht.
Nicht hier. Er – klassischer Fall von Eule – kann schließlich nichts dafür. Und Schlafstörung – gar Schlafentzug! – ist wirklich nicht nett. Regelrecht Folter. Nein. Das tut nicht Not. Wir ziehen uns zurück – ganz, ganz krrtschepperraschelrumms... leise.

Am besten dahin, wo es Kekse gibt. Und 'was zu tun:
Brötchen wie diesen schadet es nämlich nicht, ein bisschen sonderbehandelt zu werden. Mit Händen. Ruhe. Ordentlich Guss.
Dann nämlich zieht man Stunden später herrliche Oschis aus dem Ofen. Die mit dem Kaffee um die Wette duften, dass es bald Tapp-tapp macht im Flur und eine ganz hinreißend zerknautschte Eule ihr Gesicht durch die Tür steckt und wissen will, was das denn hier alles ist und überhaupt so früh und gibt's jetzt schon Frühtsück...?

Ja, es gibt Frühstück. Hier, nimm' ein Giraffenbrötchen. Ofenfrisch. Mit ein bisschen Marmelade. Wie in DEinem Traum.


Giraffenbrötchen 

aka Tiger Crackle Buns*

frei nach diversen Quellen, z.B. hier oder hier oder hier

Zutaten für fünf Stück

TEIG
2g Trockenhefe
40ml Wasser
200ml Milch
1½ TL Zucker
1 EL Olivenöl
1 TL Salz
130g Weizenvollkornmehl
130g Weizenmehl T 550
wer mag, knetet zusätzlich noch ein Paar Leinsamen o.Ä. unter

KRUSTE
2g Trockenhefe
40ml Wasser und mehr
1,5 TL Zucker
1/2 TL Olivenöl
1/4 TL Salz
45g Reismehl


So geht's
Für den Teig am Vorabend bzw. mindestens zwei, drei Stündchen vor Wunschverzehrtermin Milch und Wasser auf Handtemperatur bringen – maximal 37°C. Beides in einer großen Schüssel mit Hefe und Zucker verquirlen und fünf Minuten angehen lassen, bis die Oberfläche leicht blubbert.

Öl, Salz und Mehl dazu und alles ordentlich verkneten, etwa fünf Minuten lang. Ggf. braucht man etwas mehr Mehl, sollte es allzusehr kleben. Das Ziel ist ein weicher, elastischer Teigklumpen, den man abgedeckt über Nacht bei Zimmertemperatur gehen lässt – bzw. so lange, bis sich das Volumen mindestens verdoppelt hat.

Am nächsten Morgen isst man Kekse und knetet man den herrlich aufgeplusterten Teig noch einmal durch, bevor man ihn in fünf etwa tennisballgroße Stücke teilt. Auf ein mit Backpappier ausgelegtes und leicht bemehltes Blech setzen, zu Knödeln formen und eine Stunde entspannen lassen.

Zwischendurch den Ofen auf 220°C vorheizen und die Zutaten für die Kruste in einem Schüsselchen verquirlen. Wir brauchen so viel Wasser, bis das Ganze eine zähflüssige Konsistenz hat, vergleichbar schönem Zuckerguss – also in Sachen Flüssigkeit bitte eher klotzen als kleckern!

Diese Pampe Paste wird vor dem Backen gleichmäßig auf den Brötchenoberflächen verteilt. Anschließend das Blech zusammen mit einem feuerfesten Becher voll Wasser für ca. 20 Minuten in den Ofen schieben, bis die Oberfläche knusprig ist und die Brötchen auf Anklopfen hohl klingen.
That's it.

*PS: Im Netz kursiert das Ganze als „Dutch Crunch“ oder „Tiger Crackle Buns“. Also... ein Tigermuster habe ich beim besten Willen nicht ausmachen können – mich hat das Ganze eher an Giraffenfell erinnert. Aber gut. Freiheit der Kunst und so.

Kommentare :

  1. Echt witzig, dass Paare oft aus einer Lerche und einer Eule bestehen. Ich bin die Lerche. :-)
    Die Knuperbrötchen klingen spannend! So ähnlich wie Melonpan nur mit Reis- statt Mürbeteigkruste.

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    1. Melonpan kenne wiederum ich (noch) nicht... lohnt?

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  2. Auf jeden Fall. Ich habe ein Rezept von Mari (Kazuo) gemacht, himmlisch!

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  3. also, ich bin immer wieder begeistert & immer wieder aufs Neue überrascht über deine tollen Beiträge!!

    KOMPLIMENT!

    LG Netzchen

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  4. Oh die sehen lecker aus und die Idee mit der Kruste finde ich super! Blöde ist die Stunde Wartezeit ... aber vielleicht vor dem Duschen ;-) Danke für das nette Rezept! Liebe Grüße, Bianca

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