Sonntag, 11. März 2012

Die Schlacht: Chocolate Swirl Brioche


Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich sah diese Bilder und wusste: Wir würden uns wiedersehen. Bald.
Wir sahen uns, fast täglich: Ich las und schaute, schaute, las – und sorgte nebenbei für alles, was eine echte Zusammenkunft befördern würde: Eier und Salz, Butter, kein Schmalz, Milch und Mehl... es sollte wirklich an nichts fehlen.

Alle guten Dinge fanden sich dieser Tage also nebeneinander auf der Arbeitsfläche ein, in – ich bin mir sicher! – freudiger Erwartung dessen, was da kommen würde. Ich selbst band mir meine schönste einzige Schürze um, warf einen letzten Blick auf die liebevoll angepinnte Protokoll und brachte Schüssel Eins in Position.

Wir verstanden uns gut, die Rezeptur und ich: Sie erklärte mir, was wie zu tun sei und ich folgte ihren Vorschlägen bedingungslos und gern. Schließlich sollte sie sich wohl bei mir fühlen und keinesfalls den Eindruck gewinnen, ich wüsste ihren Anmut und Extravaganzen Besonderheiten nicht zu schätzen!

Gut, etwas irritierte es mich schon, als der Teig nicht geschmeidig und weich, sondern weich und klebrig vor mir auf dem Backpapier lag. Und die schokoladenbraune Füllung zwar homogen, aber partout nicht dicker werden wollte.
„Was soll's!“ dachte ich, „sie wird schon wissen, was sie tut!“–
und strich unbekümmert die Schokolade in eine rechteckige Form und bettete beides – Schokolade und Teig – zur Nacht im Kühlschrank.

Als sich der Teig am nächsten Tag partout nicht von seinem bemehlten Backpapier lösen wollte und die Schokolade ungeduldig nach einer Rosskur im Tiefkühlfach verlangte, wurde ich ein wenig ärgerlich. Schließlich hatte ich doch... und überhaupt...


Stunden später glich die einst so jungfräuliche Arbeitsfläche einer Schlachtbank und ich überlegte für einen Moment, was sich mit einem so großen, scharfen Messer noch alles anstellen ließe, als unförmige Teigwürste zu zerteilen. Letztere weilten zu diesem Zeitpunkt bereits in der heißen Sicherheit des Ofens – es gibt Momente, in denen garantiere ich für nichts.

Nicht, dass ich die Arbeitsfläche mit ein paar Schwammstrichen nicht wieder in den Ursprungszustand versetzt hätte. Oder dass das, was schließlich aus dem Ofen kam, nicht geschmeckt hätte.
Aber... vorgestellt... hatte ich mir das alles so nicht. Knusprig... aufregend blättrig... aber doch bitteschön nicht bockig, feist und unangenehm bissfest!

„Jaja...“ werdet ihr sagen und nachsichtig nicken, „so ist das, wenn das Rosarot in der Brille  verblasst und man dem harten, unbarmherzigen Beziehungsalltag von Angesicht zu Angesicht gegenüber steht... nur nicht aufgeben!“ werdet ihr zufügen und mir aufmunternd auf die Schulter klopfen.

Und ich werde meine entschlossenste Miene aufsetzen und verkünden: „Niemals!“–
und es einfach nochmal versuchen. Mit dieser Rezeptur. Und diesen Bildern. Sehen schließlich wirklich verdammt...


Chocolate Swirl Brioche

nach C Mom Cook

Zutaten für sechs Stück

VORTEIG
30g Mehl
1 TL Trockenhefe (nächstes Mal: 1g frische!)
60ml Milch

HAUPTTEIG
gesamter Vorteig
2 Eier
1 Eigelb
200g Mehl
1 EL Zucker
½ TL Salz
100g Butter

FÜLLUNG
80ml Milch
1 Eiweiß
55g Zucker
3 EL Mehl
3 EL Kakaopulver
10g Butter


So geht's
Für den Vorteig die Milch auf maximal 37°C erwärmen und die Hefe darin auflösen. Etwa zehn Minuten in Ruhe angehen lassen. Das Mehl in eine Schüssel geben und die Milch einrühren. Abdecken und 30 bis 45 Minuten ruhen lassen.

Anschließend nacheinander Eier und Eigelb einrühren. Mehl, Zucker und Salz gemeinsam zugeben und mit dem Mixer etwa zwei Minuten bei mittlerer Geschwindigkeit einarbeiten. Für fünf Minuten zur Glutenentwicklung in Frieden lassen.

Dann die weiche Butter peu à peu einrühren, ebenfalls unter Zuhilfenahme des Mixers: Erst, wenn der Teil Butter vollständig im Teig verschwunden ist, nachlegen.
Schließlich nochmal fünf Minuten rühren.
Falls der Teig zu diesem Zeitpunkt den Eindruck erwecken sollte, nicht nur weich und geschmeidig, sondern extrem klebrig zu sein, lieber gleich einen Extraschuss Mehl einkneten, bevor das Ganze rechteckig auf einem mit Backpapier ausgelegten und ordentlich bemehlten Backblech ausgebreitet wird – ca. 15 mal 20 Zentimeter groß. Mit Frischhaltefolie abdecken und mindestens für vier Stunden, besser aber über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Für die Füllung Milch in einem Topf zum Kochen bringen.
Eiweiß mit Zucker verschlagen, anschließend Mehl und Kakaopulver einrühren. Sobald die Milch kocht, langsam und unter Rühren zur Schokoladenmasse gießen. Alles in den Topf füllen und über mittlerer Hitze schlagen, bis die Masse eindickt. Anschließend die Butter einarbeiten.
Die Masse ebenfalls rechteckig auf Backpapier ausstreichen – ebenfalls etwa 15 bis 20 Zentimter groß. Im Kühlschrank ganz auskühlen lassen.

Den Teig nach ausreichender Kühlung auf einer bemehlten Unterlage auf die doppelte Größe ausrollen (Falls es immer noch zu sehr klebt, etwas Mehl einkneten und die Frischhaltefolie zwischen Teig und Nudelholz ausbreiten.). Die Schokoladenmasse mittig darauflegen und komplett in Teig einschlagen. Nähte gut zudrücken.
Dieses Päckchen wieder rechteckig ausrollen und beide Enden zur Mitte falten und dann beide Hälften aufeinanderklappen (siehe hier). Das Ganze wieder zu einem Rechteck rollen (und hoffen, dass nichts aufplatzt und keine Füllung 'rausspritzt) und nochmals doppelt falten. Wieder ausrollen und anschließend vom langen Ende her aufrollen.
Mit einem scharfen Messer in drei Zentimeter breite Scheiben schneiden.
In ein mit Förmchen ausgekleidetes Muffinblech setzen und nochmals 30 bis 45 Minuten gehen lassen.

Ofen auf 180°C Umluft vorheizen und die Swirls 15 bis 20 Minuten goldbraun backen.


Kommentare :

  1. Mhhhhhhhhh hhh hhhhh hhhhhmmmm!!! Ich finde, das sieht absolut lecker aus und ich kann die Schoki fast schon riechen! Heeeerrlich! Die muss ich wohl auf meine Nachbackliste setzen, obwohl sie offensichtlich ein bisschen zickig sind :)

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    1. Wiegesagt: Noch gebe ich mich nicht geschlagen! Wenn Du Dich noch ein, zwei (... drei, vier...) Tage geduldest, kann ich vielleicht schon eine optimierte Version präsentieren... wäre ja noch schöner, wenn ich das nicht halb so schön...!

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  2. Unglaublich! Du hast Recht, das gleiche Rezept, ähnliche Resultate. Ich hatte mich nämlich auch ordentlich geärgert, dass ein so aufwendiges Gebäck, sooo werden kann. :(
    Hatte mir es eigentlich als so eine Art Blätterteig vorgestellt.

    Stattdessen wurde es bei mir nämlich nicht nur ziemlich fest, sondern auch nicht gerade geschmacksintensiv und bei der Füllung hatte ich auch das gleiche Ergebnis wie du. Ich habe sie zwar im Gefrierschrank fest werden lassen, doch nach 2 Minuten auf meinem Hefeteig, war die Masse wieder flüssig.

    Aber ich wüsste nicht, was man an dem Rezept verändern sollte, damit es besser wird. Naja ich werde mir deine zweite Version aufjeden Fall nicht entgehen lassen!

    liebe Grüße
    Kathi

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    1. Ich mir auch! Skandal!
      Vielleicht muss man das an geeigneter Stelle mal anmerken... oder entsprechend umdisponieren...
      wiegesagt: Einen Versuch werde ich der Sache beizeiten geben - diese Bilder sind schließlich... gee! - aber wenn auch das nichts gibt... o.O!

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  3. Daaaanke. Bin heil wieder angekommen :)

    Dein Brioche ist jedenfalls direkt auf die Nachbackliste gekommen. Werd es aber wahrscheinlich mit Nougat füllen. Da liegt noch eine Packung in der Küche, die verbraucht werden will!

    Liebe Grüße

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