Samstag, 17. September 2016

Mystery solved: Gedämpfte Reisbandnudeln mit Chiliöl und Soja-Essig-Sauce

Hiermit ergänzen wir die Liste erfolgreich gelöster Nudelmysterien* um: Shahe fen bzw. Mi Pi**, gedämpfte Reisbandnudeln. Theoretisch hätte es damit nie ein Problem geben müssen – hätte ich mich strikt auf den ersten Teil konzentriert. Wenn man nämlich ein flaches, ausreichend umrandetes Behältnis nimmt und selbiges dünn ausgegossen mit Reisnudelmasse in einen mit Wasser gefüllten, leise vor sich hindampfenden Topf stellt, hat man in nullkommanix: herrlich elastische, einigermaßen stabile Reishäute.

Ich Schlauchfüchsin habe es nach ausgedehnter Recherche aber natürlich zuerst mit den Shortcuts probiert: Teflonpfanne auf kleiner Flamme (= Teigscherben, die stark an einen gewissen Versuch mit gewissen Kugeln erinnern) oder die Variante Mikrowelle, die alles ergibt, aber ganz sicher keine Nudeln.

So oder so: Ab sofort stehen ganz neue Sphären offen! Ich kann diese herrlichen Teigtücher zum Beispiel mit einer Mischung aus Hackfleisch und Wolkenohrpilzen füllen und als Bánh Cuốn servieren, wahlweise mit frittierten Shrimps und Frühlingszwiebelgehäcksel bestreuen, aufrollen und in Sauce dippen – oder ich kann sie so kredenzen, wie Mandy Lee es tut: In einem Bad aus dem einzig-wahren Chiliöl und ihrem idealen Adjutanten, einer fein-säuerlichen Soja-Essig-Reduktion.

Sodann, bis zum nächsten Abenteuer – mit Laghman, La Mian oder Liang pi!

Montag, 12. September 2016

Packen mer's: Riesen-Baozi mit geschmortem Schweinebauch, Salz-Ei und Frühlingszwiebel-Fleisch-Füllung


Der Rappel kommt regelmäßig. Nach längeren Reisen, wenn im Frühjahr die Welt auf „Neustart“ steht, wenn überhaupt alles ein bisschen offen und unsicher ist. Ich will dann aufräumen, ausmisten – und zumindest da, wo ich kann, für Klarheit und Ordnung sorgen.
Meistens ist das nach ein, zwei chaotischen Nachmittagen und Neuzugängen in den Zu verkaufen-/zu verschenken-/zu entsorgen-Boxen getan. Manchmal geht dabei eine ganze CD-Sammlung drauf, manchmal reicht ein Stapel alter Unterlagen.

Den Impuls, ALLES in Kisten zu stopfen und mir nach und nach nur das zu holen, was ich wirklich will und mag und brauche, hatte ich selten.
Gerade ist er stark.

Der Kerl hat mir aus seinem Keller also die Kisten gebracht und ich packe.
Da wären zum Beispiel Teile, die ich schon irgendwie mag, aber trotzdem nicht benutze, wie den herrlichen weißen Hut, der einen Hügelsommer lang auf meinem Kopf zuhause war (seither: keine weiteren Anlässe). Oder die Musikanlage mit dem schönen alten Verstärker, die einfach nicht angeschlossen wird. Der klägliche Rest CDs (s. o.), die es doch alle auf Spotify gibt.

Oder die Dinge, die ich zwar definitiv nicht mag, aber trotzdem und mangels Ersatz immer wieder in den Händen habe wie die hässlichen Plastikwäscheklammern oder die selbstgenähte Boulderhose (ein Erstling, der sich allmählich auflöst – aber welche Boulderhose tut das nicht?).

Oder die, die eigentlich kurz vorm Exodus stehen, aber noch dieses kleine Fünkchen Leben in sich tragen wie das Scanner-Drucker-Kombinat, das nicht mehr druckt, also seit Jahren durch kostenlose Alternativen in Instituten o. Ä. ersetzt wird, aber noch scannen kann, was hin und wieder ganz praktisch ist. Die kaputten Kleidungsstücke, bei denen sich flicken nicht lohnt, deren Stoff sich aber sicher prima verpatchworken ließe.

Es wird leer werden in dieser ohnehin zu großen Wohnung, wenn das alles aus den Augen ist. Vielleicht macht mir das Angst. Vielleicht schafft es aber auch Platz für die Klarheit, die ich mir so wünsche. Wer bin ich, was will ich, wohin.

Ich bin gespannt. Was ich vielleicht vermissen werde. Wovon ich hinterher nicht mehr weiß, dass ich es je besessen habe. Die eigentliche Arbeit wird ohnehin das Auspacken sein, die Entscheidung, was geht und wenn ja: wohin (etwas, das mir immer bewusster wird: wie viel Aufwand Besitz bedeutet!).

Wie gut diese Riesen-Baozi einmal in die Gemengelage passen würden, hätte ich nie gedacht. Wie gut sie vermutlich immer passen. Unter der unscheinbaren, fluffig-leichten Hefe-Hülle warten schließlich die größten Schätze: eine ungeheure Saftigkeit und Würze im geschmorten Schweinebauch (beim nächsten Mal: mehr davon oder gar nur ihn!), eine solide Schärfe vom Chili-Confit, die feine Sämigkeit des gesalzenen Eis.

Samstag, 3. September 2016

Jag älskar scandinavia!

Blaubeeren (ah, ich korrigiere: blåbär), Preiselbeeren, Himbeeren, Brombeeren. Steinpilze, Birkenpilze, Pfifferlinge, Maronen. Wenn ihr mich sucht, ich bin im Wald. Irgendwo in Schweden oder Norwegen – irgendwo da, wo es all das gibt. Auf einmal. In Massen. Für lau.

Ein bisschen hatte ich es gehofft, als der Kerl und ich ins Auto gen Norden gestiegen sind. Dass der Sommer da oben auf uns wartet.
Er war so fein.

Dienstag, 30. August 2016

Das alles. Und noch viel mehr.


Ich will wieder schreiben. Wirklich. Im Kopf ist das so leicht: Da stehe ich bis zu den Knien in skandinavischen Blaubeerbüschen, die beim Kerl und mir ab sofort nur noch blåbär(en) heißen, und freue mich so enorm über diesen unfassbaren Reichtum, dass ich das sofort und mit allen teilen will.

Oder wie im Frühjahr in diesem winzigen Deli in Edinburgh, ofenwarme Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade vor der Nase, die durch und durch herzige Inhaberin Mel im Gespräch mit einer betagten Nachbarin im Ohr.

So viel. Bald mehr.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Schnitt für Schnitt.

Die Idee lebt schon länger. Die Ahnung, dass das was sein könnte. Sich nicht nur eigene Brote zu machen, eigene Cremes, eigene Mützen. Sondern auch eigene Kleider, eigene Röcke, eigene Hosen. Und dann war die Gelegenheit mit einem Mal günstig.

Manches gelingt, manches nicht ganz. Ich lerne – mit jedem Stich (langsam!), jedem Stoff, jedem Stück. Das Material wirklich vorher zu waschen, zum Beispiel. Davor einzufassen, damit nichts franst. Viel zu bügeln, zu heften – die Sache mit den Reißverschlüssen.
Es ist eine angewandte Übung der Geduld – ideal für mich Springinsfeld.
Nebenbei so sehr beglückend.

Weshalb ich dem gern mehr Raum geben möchte – auch hier.