Mittwoch, 22. April 2015

Angewandte Persönlichkeitsentwicklung – oder: dicke, buttrige Waffeln


Ich glaube, es gibt wenig, das persönlicher ist, abhängiger von den eigenen Vorlieben, als Waffeln. Wo es den einen nicht knusprig genug sein kann („Kekswaffeln“ hieß das bei meiner Patentante), geht für andere nichts über leichte Luftigkeit. Manche lieben den Geschmack von Hefe, viele schwören auf das eine, generationenalte Familienrezept.

Ich – bin irgendwo dazwischen: dick sollen sie sein, meine Waffeln, buttrig, aber nicht zu schwer. Sie sollen so aromatisch sein, dass man sie pur essen kann, aber sich trotzdem mit Belag vertragen. Ach ja, und lange drauf warten will ich bitte auf gar keinen Fall – meistens kommt Waffelappetit nämlich schnell und heftig.

Nach diesem einen, ewigen, (für mich) perfekten Rezept, habe ich viel zu lange suchen müssen. So lange, dass ich schon gar nicht mehr weiß, welches die Vorlage war, die ich mit der Zeit immer weiter angepasst habe. Mit Zimt, Amaretto und Vollkornmehl zum Beispiel. Mit Butter, manchmal Eischnee, einer Prise Salz.

Für die vollen 10 von 10 Punkten auf meiner persönlichen Waffelskala. Und Frau Nessys Verein trete ich hiermit feierlich bei.


Pin It

Samstag, 18. April 2015

Vollendet-veredelter Bohnenquark: Tofu nach Art des Nordens & süß-saure Gurken


Lacht man in Asien eigentlich über uns? Über uns und unsere (Un-)Art, regelrechte Glaubenskriege um etwas so Banales anzuzetteln wie Bohnenquark?
Ich bin mir fast sicher.

Dabei ist es so einfach. Es reicht ein Stück ordentlicher Tofu und ein ordentliches Rezept. Vermutlich ist aber genau das das Problem: Man muss wissen, dass es diesen Tofu gibt – und wo. Man muss wissen, dass man ihn nicht im Supermarkt findet, sondern in gut sortierten Asialäden – und zwar lose (alternativ im Bioladen unter dem Label Taifun). Enthusiasten legen selber Hand an, aber so weit muss man (vorläufig) gar nicht gehen.

Was das Rezept betrifft, schwöre ich ab sofort auf dieses. Es adelt sogar Pressspan, und ist mit dem guten, echten, frischen Tofu ein kleines Gedicht. Die süß-sauren Gurken sind die perfekte Ergänzung.
Danke Tina, danke Petra, für die Vorlagen.


Pin It

Mittwoch, 15. April 2015

War das schon kochen? Rote-Bete-Basilikum-Suppe mit Kokos-Chutney nach Tanja Grandits


Nervt es? In der nächsten Ich-bin-total-geflasht-ich-koche-nie-wieder-anders-Phase sollte ich hier vielleicht einfach groß „Aktion!“ dranschreiben oder „Blogevent!“ oder „Ab jetzt in Serie!“. Aber sowas mag ich erstens nicht so sehr, zweitens fällt's mir sowieso immer erst hinterher ein, und drittens falle ich lieber mit der Tür ins Haus – etwa so: Meine Damen und Herren, ich präsentiere: die erste Bete-Suppe, die schmeckt!

Gut, der Gerechtigkeit halber sollte man vielleicht das Wörtchen „mir“ einfügen, aber vielleicht ist das auch nur Makulatur. Damit wir uns generell nicht falsch verstehen: Ich mag Rote Bete. Und es ist nicht so, dass ich es an Versuchen hätte mangeln lassen: Ich probierte Consommé und Cremesuppe, kombinierte Orange, Apfel, Dill. Aber: immer, immer schmeckte die Bete wie Bete eben schmeckt – und ausgerechnet das mag ich in Suppenform nicht.

Dass es Tanja Grandits sein würde, die mich von diesem Trauma heilt – mit Blick auf die vergangenen Tage, Wochen muss man wohl sagen: war klar. Und das, obwohl ich die Vorlage so sträflich verbogen habe! Rotes Basilikum? Keine Lust, danach zu fahnden. Rote-Bete-Saft? Och, der Rest steht hinterher nur wieder rum – wir nehmen Wein. Und das Chutney... ersetzen wir durch das aus dem letzten Rezept. Fazit? Ahaha!

Überhaupt: War das jetzt schon kochen? Ich halte es da nämlich eher wie Frau Neudecker, die dem originalgetreuen Nachbau von guten Rezepten noch keine höhere Kompetenz zugestehen mag. Dabei wünsche ich mir wie Eva, genau das zu können: frei und eigenständig nichts als solche Kracher aus dem Ärmel zu zaubern. Aber vielleicht braucht das einfach noch ein bisschen Zeit.

In diesem Suppentopf jedenfalls hätte ich baden mögen – auch wenn man die Bete definitiv als Bete schmeckt. Aber das ist hier – Grandits eben – gut und richtig. Kokosmilch und Basilikum unterstützen nach Kräften, ohne ihrerseits zu sehr im Vordergrund zu stehen. Es ist wieder eins dieser wunderbaren großen Ganzheiten, die mehr sind als die Summe... – genau. Beim nächsten Mal werde ich also gleich die originale, doppelte Menge ansetzen. Noch gibt es rote Bete...


Pin It

Montag, 13. April 2015

Grandiosistan: Gurken-Basilikum-Curry, Anis-Tapioka, Basilikumöl nach Tanja Grandits


Das geht wieder vorbei, keine Sorge. Irgendwann wird es hier wieder Dinge geben, die nicht aus Kopf und Küche von Tanja Grandits stammen. Meine Obsessionen haben eben ihre ganz eigene Halbwertszeit – manches erledigt sich binnen weniger Tage, manches begleitet mich Wochen, Monate, manches: Jahre.

Wenn es so abwechslungsreich und überzeugend weitergeht, könnte sich das mit mir und Frau Grandits allerdings zur Langzeitliason entwickeln. Sicher: Einige Komponenten – namentlich das krümelige Kokos-Chutney, die großartige Avocado-Limettencreme oder auch die diversen gewürzten Öle – sind inzwischen bekannt. Auch der oft asiatische Einschlag oder Grandits' Hang zu Frittiertem sind ebenfalls nicht neu. Trotzdem waren alle Ergebnisse bis jetzt so ungewohnt, so harmonisch und anders, dass sich die Frage, ob man auch das nächste Abenteuer wagt, gar nicht erst stellte. Zumal: Die Hoffnung, durch gelehriges Nachahmen irgendwann selber zu solcherlei gelungener Kreativität fähig zu sein, stirbt bekanntlich zuletzt...

Wenn man bei einem dieser Ausflüge nach Grandiosistan obendrein kulinarisch Vorurteile über Bord werfen kann: umso besser! Gekochte Gurke kannte ich bis dato nur mit der Vorsilbe „Schmor-“ – und selten zur Wiederholung angetan. Der eher fade Geschmack behagte mir nicht, und noch weniger: die wasserhaltigen Gemüsen eigene Tendenz, beim Garen viel zu heiß zu werden.

Nichts davon ein Problem bei diesem Curry: es ist fruchtig, es ist leicht, es ist absolut ausgewogen. Keine der Zutaten dominiert das große Ganze, trotzdem findet die Zunge immer wieder kleine Aromainseln – hier ein bisschen Anis, da Ingwer, Knoblauch, Gurke, Ananas. Die verschiedenen Konsistenzen – Pistazien, Tapioka und Gurke auf der eher bissigen Seite, Curry und Avocado-Creme auf der sämigen – ergänzen sich perfekt.

Und inzwischen habe ich sogar den Trick mit den Mengenangaben raus: vier Grandits-Portionen – darzureichen in einem mehrgängigen Menü – entsprechen zwei Normalsterblichen-Tellern als alleinige Hauptmahlzeit, bei Bedarf ergänzt um Nachtisch.


Pin It

Freitag, 10. April 2015

Rucola-Mokka-Risotto mit Bergkäse-Crunch und frittiertem Rucola nach Tanja Grandits


Nach der ersten Euphorie über die Tiefe, die dieserlei Reisgerichte haben können, hat sich das Bedürfnis, ein Risotto nach dem anderen zu servieren, schon vor Jahren wieder gelegt. Die Gründe dafür sind mir bis heute ein Rätsel – die Tatsache allerdings, dass es derlei hier überhaupt erst einmal gegeben hat (und der zugehörige Post im Zuge der letzten Aufräumaktion sogar wieder in der Versenkung verschwunden ist), spricht wohl für sich.

So oder so: Wenn Tanja Grandits ihrem Risotto Mokka beimengt, das Ganze mit Pistazien und Rucola aromatisiert und der Bioladen des Vertrauens letzteren sogar im Angebot hat – da hilft's nichts, da muss das auf den Herd – und zwar umgehend.

Die Frittiererei klappt bei mir – ohne Fritteuse – zwar leider eher mäßig und auch der Bergkäse-Crunch geriet mehr zäh denn knusprig. Das Risotto selbst allerdings ist nichts als rund: Vor allem die Pistazien harmonieren hervorragend mit dem Espresso und der Rucola kommt im „Abgang“ fein zur Geltung. Einzig über die Portionsgrößen wäre zu reden: Als Hauptmahlzeit für zwei ist das halbe Originalrezept eher knapp bemessen, weshalb ich so frei war, das Ganze unten auf die anderthalbfache Menge aufzurunden – zumal so sogar das Pesto aufgeht. Wer richtig Hunger hat, macht für zwei das volle Rezept.


Pin It