Mittwoch, 20. Juli 2016

Schnitt für Schnitt.

Die Idee lebt schon länger. Die Ahnung, dass das was sein könnte. Sich nicht nur eigene Brote zu machen, eigene Cremes, eigene Mützen. Sondern auch eigene Kleider, eigene Röcke, eigene Hosen. Und dann war die Gelegenheit mit einem Mal günstig.

Manches gelingt, manches nicht ganz. Ich lerne – mit jedem Stich (langsam!), jedem Stoff, jedem Stück. Das Material wirklich vorher zu waschen, zum Beispiel. Davor einzufassen, damit nichts franst. Viel zu bügeln, zu heften – die Sache mit den Reißverschlüssen.
Es ist eine angewandte Übung der Geduld – ideal für mich Springinsfeld.
Nebenbei so sehr beglückend.

Weshalb ich dem gern mehr Raum geben möchte – auch hier.

Sonntag, 3. Juli 2016

Tauschgeschäft: Sauerteigtagliatelle mit Zwiebel-Kaperncreme und Anis

Tausch, der den Nutzen steigert. Die eigenen Schubladen, Schränke sind erleichtert – um Dinge, die an ganz anderer Stelle wieder einen echten Zweck erfüllen können. Befriedigend, nicht nur befreiend – wir erinnern uns an das Weniger, das so viel mehr sein kann.

Und weil die Suche nach neuen Nutzungszusammenhängen für kulinarische Stehrümchen zu meinen liebsten Küchenherausforderungen gehören, gab es danach dieses schnelle, tiefe Essen: Gekocht in Koproduktion mit dem Kerl, aus Dingen, die so da waren, mit bestem Dank an Robert und Susanna.
Schöne Tage.

Dienstag, 21. Juni 2016

Mit bloßen Händen: Schokobrötchen über Nacht

Wie einfach es ist: Mehl, Wasser, Salz, ein bisschen Schokolade, ein bisschen Kakao, ein wenig Geduld. Im Prinzip wie mein bäckerischer Heureka-Moment – nur ein My elaborierter. Und nochmal so gut.

Überhaupt ist so vieles Gute so simpel: Ein Deo braucht Wasser, Natron, einen Spritzer Duftöl und, wer mag, einen Schuss Wodka. Aromatische Bodybutter besteht aus Shea-, Kakao- und Kokosfett und dem Aroma von selbstangesetzten Orangenschalenöl. Mit zitroniger Essigessenz putzt es sich prima und wer hätte gedacht, wie gut der alte Stoff im richtigen Schnitt zum Lieblingsrock passt? Eine Liste, die sich lange fortsetzen ließe – und deren Quintessenz mir immer wichtiger wird.

Mein Fokus hat sich verschoben. Vielleicht hat er sich auch nur weiterentwickelt, denn viel von diesen Ideen steckt in meiner Vorstellung von guter Küche: Rohstoffe werden unter den eigenen Händen zu etwas, das nährt, schmeckt, beglückt. Nachhaltigkeit und minimalen Müllaufwand – Buzzwords – gibt's on top.

Dieses Weniger, das mehr ist, etwas Konkretes im großen Rauschen. Ich mag das. Es macht so zufrieden. Was das für den Blog bedeutet?
On verra.

Montag, 23. Mai 2016

Von nackten Riegeln und anderen Offenlegungen

Setzt Euch. Nehmt Euch. Es ist genug da für alle. Und während ihr so sitzt und esst, erzähle ich, was diese nackten Riegel (ich freu‘ mich schon auf die Suchwortstatistik...) so erstaunlich macht – es ist nämlich nicht der eingetragene Name.

Das wirklich erstaunliche an diesem Gemisch aus Datteln, Rosinen, Cashews und Kakao ist vielmehr Punkt Zwei: ihre Einfachheit – also das, was ich vor gut einem Jahr noch großzügig delegierte.

Dann kam: la vie. Ein Umzug, ein neuer Job, eine andere Strecke zum Kerl.
Ich habe mir manchmal vorgestellt, es so ähnlich zu machen wie Petri Luukkainen: Alles, was ich habe, in den Kartons zu lassen und mir nach und nach nur das zu holen, was ich wirklich mag und brauche. Zum Festhalten. Um die Welt ein bisschen weniger komplex zu machen – herauszufinden, wie viel Leere man aushält.

Ein Luxusproblem, schon. Es ist ein Privileg, seinen Besitz kuratieren zu können, seinen Speiseplan, seine Zeit. Hipstereske Gedanken zu Minimalismus, Nachhaltigkeit, Müll- und Plastikvermeidung muss man sich leisten können – vielleicht eine Art Ablasshandel des 21. Jahrhunderts.

Ich frage mich trotzdem, wie viel Radikalität, wie viel Punk da drinsteckt.