Montag, 15. Dezember 2014

All'italiana - oder die Frage nach der Authentizität (Reklame)


Authentizität geriet irgendwann zum Unwort der Reise. Den einen, weil sie die ewige Unterscheidung in „touristisch“ und „original“ nicht mehr hören konnten. Den anderen, weil sie genau danach suchten: dem Echten, Unverfälschten – oder wenigstens nach etwas, das man dafür halten kann.

Ich, ihr ahnt es, gehöre zur Fraktion letzterer. Ich hasse das Gefühl, für dumm verkauft zu werden. Von Köchen, die glauben, der richtige Geschmack sei zu scharf/fad/exotisch für den westlichen Gaumen. Von Architekten, die meinen, mit ein paar historisierenden Elementen für das aufkommen zu können, was Abrissbirnen unwiederbringlich zerstört haben. Von Reiseführern, die befürchten, solvente Touristen mit dem Alltag auf den Straßen überfordern zu können.

Ich aber will genau das: Tränen in den Augen, weil etwas doch deutlich pikanter ist, als man es kennt. Umwege, die dorthin führen, wohin es kein Städteplaner je geschafft hat. Armut, Elend, Dreck, die einen ahnen lassen, was es bedeutet, wenn jemand nie in seinem Leben Tourist sein wird, weil er täglich um das Nötigste kämpft.

Vielleicht sind diese Worte ein bisschen zu groß und pathetisch für das, worum es hier eigentlich geht – nämlich UFUUD. UFUUD ist ein kleiner Onlinehandel aus Mailand, dem es seit einem Jahr darum geht, das „echte“ Italien in Form von Lebensmitteln über die Landesgrenzen hinaus verfügbar zu machen. Die beiden Gründer Christian Prazzoli und Cipriano Moneta haben lange im Ausland gearbeitet und gelebt und feststellen müssen, wie schwierig es da mitunter ist, Zutaten zu finden, die ihren Vorstellungen von Authentizität gerecht werden. Darum vertreiben sie gemeinsam mit vier Mitarbeitern Produkte von über 60 oft vergleichsweise kleinen Herstellern, die sie eigenhändig ausgewählt haben. Traditionalität und Unverfälschtheit spielen dabei ebenso eine Rolle, wie biologischer Anbau und Nachhaltigkeit.


Ich durfte UFUUD unverbindlich testen und habe mir darum einige dieser insgesamt 600 verschiedenen Produkte schicken lassen, darunter Pasta, Salami (gut!), Reis, Balsamico, Schokocreme mit Olivenöl (lecker!) und Honig. Probiert habe ich längst nicht alle davon – was zum einen meinem derzeit reichlich straffen Leben 1.0 geschuldet ist, und zum anderen dem Umstand, dass ich die Dinge gern so bewusst und ja: authentisch genießen möchte, wie von Prazzoli und Moneta gedacht. Das bedarf ein bisschen Recherche – zum Beispiel, wenn es um die Zubereitung von schwarzem Reis all'italiana geht oder ein Gericht, in dem bronzegepresste Pasta richtig zur Geltung kommt. Hier plant UFUUD allerdings, sein Portfolio demnächst auch um traditionelle Rezeptvorschläge zu erweitern. (Meine reiche ich nach, versprochen!)

Die Preise für die Lebensmittel schwanken zwischen Supermarkt- und Feinkostniveau, sind also eigentlich ein bisschen zu teuer für meine derzeitige Kassenlage – in Anbetracht von Qualitätsanspruch und Originalität jedoch vertretbar, zumal UFUUD sich ausdrücklich an die Liebhaber des italienischen Lebensstils wendet, die ähnliche Bedürfnisse hegen, wie einst die beiden Gründer.
Der Bestell- und Liefervorgang klappt so problemlos, wie man es von ähnlichen Unternehmen kennt und schätzt – einzig die (zu Stoßschutzzwecken) plastiklastige Verpackung hat mich etwas gestört.

Und wer sich wie ich über den Namen gewundert hat: UFUUD kam heraus, als man einen Italiener, mit dessen Englischkenntnissen es nicht weit her war, bat, einmal das Wort „food“ zu schreiben...


* Dieser Post in Zusammenarbeit mit UFUUD Mailand entstanden. Alle geäußerte Meinung bleibt davon unbeeinflusst und meine eigene.

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Montag, 24. November 2014

Kulturgut: Roggenvollkornbrot über Nacht


Es sind die Kleinigkeiten, die man als Deutscher im Ausland vermisst. Federbetten – überhaupt Decken, die nicht so stramm mit der Matratze verzurrt sind, dass einem drunter ganz klaustrophobisch werden kann. Mineralwasser. Und, vielleicht als erstes: Schwarzbrot.
Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich liebe neue, fremde Küchen, bin oft genug betrübt, dass man sie hier so selten authentisch findet. Überhaupt waren ich und das Brot lange Zeit alles andere als dicke.

Und trotzdem: Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als sich dunkles, kerniges Brot schätzen lernte. Es war sonnig, wir waren im Garten. Mein Vater hatte sich eine Scheibe geschmiert, schön dick mit Butter. Er ließ mich abbeißen und ich, die ich vorher (wie vermutlich jedes kleine Kind) eher den hellen, weichen Krumen zugetan war, Stichwort „Omahäppchen“, machte plötzlich die Erfahrung von Röstaromen. Von Konsistenz. Der leichten Note Karamell. Mein Vater musste sich eine neue Scheibe schmieren, aber ich glaube, er war darüber nicht unglücklich.

Dieses Brot kommt dem Brot von damals sehr nahe. Vielleicht war es noch ein bisschen dunkler, noch ein bisschen körniger – vielleicht trügt mich auch die Erinnerung. Schließlich gibt es dieses wohl deutscheste aller deutschen Brote in mindestens so vielen Varianten wie es Backstuben gibt. Diese hier halte ich in Ehren.

(Und ab jetzt bin ich wirklich weg! Zài jiàn!)



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Donnerstag, 20. November 2014

Warum in die Ferne schweifen: Münsterländer Schmalzstuten


Ich habe es schonmal anklingen lassen: Ich bin gebürtige Münsteranerin. Die, wo immer auf dem Fahrrad, genau (übrigens etwas, das ich noch immer hochhalte).
Und selbst, wenn es mich – anders als die Schwester – seit dem Wegzug gen Norden nie mehr für länger zurückverschlagen hat, war es völlig fraglos, dass ich ein Brot, das sich Münsterländer Schmalzstuten nennt, würde nachbacken müssen. Das Ergebnis sieht schließlich wirklich haargenau so aus, wie ich es von früher kenne (vor allem in der Darreichungsform „Omahäppchen“ mit Frischkäse und Himbeermarmelade).

Noch besser: es schmeckt sogar so. Am besten, wenn es ein bisschen ziehen konnte. Dann ist die Krume zwar nicht mehr ganz so flaumig wie frisch aus dem Ofen, dafür schön saftig und elastisch. Mehr als Butter braucht es da kaum.

Achso, und auch, wenn es angesichts der derzeitgen Post-Intervalle hier nicht sonderlich auffallen dürfte, aber: die nächsten zwei Wochen ist hier Pause. Grund: 12 Tage China. Yeah.


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Donnerstag, 6. November 2014

Schwein auf Eis – oder: Khao soi aka Crack Slurp aka Reisnudeln mit Aromasauce und Knusper obendrauf


Meine Idee vom perfekten Abendessen war eher vage: Reisnudeln könnten durchaus was sein, gern auch in Kombination mit Kokosmilch. Vielleicht Hackfleisch. Oder Fisch?
Das Pinterest-Sammelsurium half da nicht wirklich weiter: Für das Eine fehlten gefühlte 2736 Zutaten, außerdem würde sich die Begeisterung des Kerls in Grenzen halten. Für anderes war ich zu faul.

Überhaupt war ich faul. So faul, dass ich kurz davor war, Monsieur zu fragen, ob wir den geplanten Auswärts-Abend nicht spontan um 'ne halbe Woche vorverlegen wollten. Halbherzig tipte ich „rice noodles“ in die Foodgawker-Suchmaske. Scrollte, scrollte... wollte das Ganze schon wieder schließen, als ich Seite Fünf erreichte: Reisnudeln mit Kokos-Currysauce, Hackfleisch und einer Mischung aus knusprig frittierten Schweinespeckwürfelchen, Knoblauch und Schalotten. Eins dieser Lady-and-Pups-Rezepte, an denen ich schon in der Vergangenheit immer wieder hängen geblieben war, weil es so gottverdammt gut aussieht, dass man bereit ist, (fast) alle Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, nur, damit genau das später auf dem Teller liegt. Blöd nur, dass man gefrorene Schweineschwarte braucht.

Gefrorene Schweineschwarte?
Ahaha! Aber genau die lag doch noch im Tiefkühlschrank! Rest des letzten kulinarischen Ausflugs nach Asien, als das nötige Stück Schwein ein bisschen zu viel Speck auf den Muskeln hatte. Kann ich ja nicht wegtun, sowas, selbst, wenn ich gar nicht so richtig weiß, was ich damit anfangen will. Und dann kommt Mandy Lee und will: gefrorene Schweineschwarte!

Das Ganze ist – ja, doch: ein Kracher: die cremige, durch und durch aromatische Sauce, die weichen Nudeln, das knusprige Gebrösel obendrauf. Kerl begeistert, Köchin begeistert – ein Königreich für Schweineschwarten! Und Zufallsfunde.



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Sonntag, 2. November 2014

Mit Laib(chen) und Seele: Miche-Brötchen


Ich bin ein Scanner. Eine von denen, die sich Hals über Kopf für Dinge begeistern. Die tage-, wochen-, monatelang nichts anderes tun können und wollen. Um dann, wenn der eine, undefinierbare, aber kritische Punkt überschritten ist, von heute auf morgen alle Anstrengung einzustellen – zugunsten des nächsten Projekts.

Statt (blogreif) zu backen und zu kochen, hab' ich mein Strickzeug wieder ausgepackt. Ich bin durch die Wälder gestrichen, den Blick auf den Boden geheftet – immer auf der Suche nach steinpilzbeige, maronenbraun und den großen Hüten der Safranschirmlinge. Zum Glücklichsein reicht das

Hier strahlt die Novembersonne in diesem Moment so stark, dass es auf dem Balkon zu warm ist und auf dem Sofa auch. Der Schnee, der schon auf vielen der umliegenden Gipfeln liegt, schmilzt. Vermutlich nicht ganz – bis zum Frühjahr.


Hier kann ich Ärmel stricken und Pilze suchen und habe trotzdem Zeit für anderes. Weil nichts anderes drängt. Weil es schöner ist, für zwei zu kochen, als für eine allein.

Und Michas Miche kam gerade recht. Als hätte sie erinnert, wie sehr ich grobporige Krumen mag und dass es mit dem Sauerteig im hiesigen Kühlschrank nicht weit her ist (Der Ableger des blasigen Mitbewohners in meinem norddeutschen Kühlschrank wollte sich hier nicht akklimatisieren: Er stellte jeweils zuerst das Blubbern ein, um sich dann nach Banane (?!) riechend unter einem weiß-grünen Pelz zu verkriechen.).

Arnd Erbel, gedanklicher Vater dieses Teigs, wäre mit mit meiner Abwandlung zur Trockenhefe vermutlich nicht einverstanden. Auch die reduzierte Wassermenge zwecks besserer Händelbarkeit dürften dem Meister nicht gefallen. Trotzdem ist das Ergebnis aller Achtung wert: Flaumige Krume, besagte fabelhafte Porung und ein Geschmack, der ein bisschen an Baguette erinnert und trotzdem ganz eigen ist.


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