Dienstag, 7. Oktober 2014

Thema mit Variationen: Bún thịt nướng


So schön es hier ist (und es ist hier wirklich schön): ein, zwei Dinge gibt es doch, die man manchmal ein bisschen vermisst. Konkurrenz für den einzigen Laden mit asiatischen Lebensmitteln zum Beispiel, auf dass Ingredienzen wie Mirin oder Sesamöl ein wenig realistischer bepreist sein mögen (wobei: immerhin gibt es diesen Laden). Oder die Auswahl an hervorragendem und günstigen Street Food, für das wir in der kleinen großen Stadt keine fünfzehn Minuten Fußweg zurückzulegen hatten: türkische Pide beim Pidemann, Dolce Vita beim Bilderbuchitaliener, prima Burger und, vor allem: Variationen von Vietnam.

Es ist schon eine Weile her, seit ich von der kleinen Straßenküche berichtet habe, die so gutes und frisches Zeugnis von vietnamesischer Kochkunst ablegt, dass dort oft nur schwer ein Platz zu bekommen ist. Trotzdem war das „Street Kitchen“ gerade am Wochenende sehr regelmäßig unser Anlaufpunkt, wenn der Hunger allmählich anklopfte, sich die Lust zu kochen jedoch in überschaubaren Grenzen hielt. Das geht jetzt nicht mehr: Hier muss bis Samstag um 18 Uhr feststehen, was abends und anderntags auf dem Tisch stehen soll. Sonst bleibt bloß der Griff zu den eisernen Vorräten.

Wenn die Sehnsucht nach feinem Ganz-weit-weg-Geschmack irgendwann übermächtig wird, hilft also nur: Selbermachen. Das habe ich schon einmal versucht, allerdings eher grob inspiriert denn originalgetreu kopiert. Angesichts dieses Fotos konnte ich aber nicht anders, als genau das genau so zu probieren – zumal die letzten Ach-wie-praktisch-es-wäre-jetzt-zu-Street-Kitchen-zu-gehen-Seufzer noch keine 24 Stunden alt waren. Ab auf die Jagd nach den passenden Zutaten!
Von denen braucht es einige – allerdings machen genau die Bún thịt nướng (oder das, was ich so nenne) auch zu dem, was es ist: ein buntes Aromenwunder, dass einen sehr, sehr glücklich am Tisch zurücklässt. Und wenn man dann den Kopf hebt und aus dem Fenster schaut und sieht, wie schön es hier ist, möchte man mit niemandem und nichts auf der Welt tauschen.


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Sonntag, 5. Oktober 2014

Das Leben wie es sein sollte: Hefezopf mit gebrannten Mandeln & Marzipan


Mit gebrannten Mandeln ist alles besser. Nicht, dass es in Sachen Verbesserung gerade Bedarf gäbe im Gegenteil: Hier beim Kerl gibt es schließlich nicht nur den Kerl, sondern obendrein Pilze (1, 2), Sonne, freie Zeit. Und all' das darf von mir aus gerne noch eine ganze Weile so weitergehen (und nicht nur noch fünf Tage).

Nein, die Sache mit den Mandeln ist eher was Generelles. Und ich rede jetzt nicht von dem pappigen Zeug vom Weihnachtsmarkt. Ich meine die frischen, handgebrannten, die man unbedingt in Eis rühren sollte, wie es Verena vorgemacht hat. Überhaupt sollte man immer deutlich mehr Mandeln brennnen, als das Rezept vorsieht, schließlich kann es passieren, dass da jemand kommt und seine Hand ausstreckt. Kurzes Knurpsen später sind es dann nicht mehr 100 Gramm, sondern vielleicht noch 75.

Vorgestern Abend las ich bei Stefanie von einem Hefezopf, in dem solche Mandeln stecken. Sekunden später stand ich in der Küche.
Eine Übersprungshandlung, die ich nur weiterempfehlen kann: Zwar habe die Menge halbiert, schließlich sind hier derzeit zwei Personen zu versorgen und kein ganzes Büro, außerdem wurde das Ganze an die hiesige Vorratslage angepasst: Zu den letzten 100 Gramm Mandeln passte ein Rest Marzipanrohmasse perfekt. Den fehlenden Amaretto ersetzte Rum.

Das alles dann lauwarm im Sonnenschein auf dem Balkon... mit gebrannten Mandeln ist alles besser, wiegesagt.
Achso, und noch besser, saftiger, runder: am Tag danach.


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Sonntag, 28. September 2014

Ofenschlupfer


Ofenschlupfer ist elementarer Bestandteil des Frühstücks bei Mövenpick in H. Nicht, dass dieses Frühstück nicht ohnehin schon grandios wäre – Entenbrust, Räucherfisch in diversen Varianten, Eier, Käse, ausgezeichnete Salate, Marmeladen, Honig, Müsli, Milchreis (!)... auf dem Buffet gibt es nicht viel, was es nicht gibt (und von den ausgesprochen guten Gebäcken inklusive Tartes und Kuchen habe ich noch nicht einmal angefangen). Das alles ist nicht einmal teuer: 20 bis 22 Euro macht's pro Nase, und die Getränke sind schon drin. Ein bis zweimal im Jahr – wenn es was zu feiern gibt oder die Familie des Kerls es mal wieder für eine gute Idee hält – tauschen wir unseren (keinesfalls schlecht gedeckten) Frühstückstisch am Wochenende gegen dieses Schlaraffenland.
Und essen immer – immer - auch Ofenschlupfer. Ich vermute, dass es den unter anderem bestimmungsgemäß als Verwertung für die Brötchenreste vom Vortag gibt – was mir dieses Frühstück noch ein bisschen sympathischer macht. Und das will bei einer Kette schon etwas heißen.

Diese Brötchen also werden gewürfelt und zusammen mit Äpfeln, Mandeln und Rosinen in einer sahnigen Eier-Milch gebacken. Das Ergebnis ist weich und vanillig und allein Grund, immer wiederzukommen. Bis jetzt bin ich nämlich nicht hinter das Geheimnis gekommen. Was nicht bedeutet, dass der Ofenschlupfer, den ich jüngst zur Verwertung viel zu süß geratener Hot-Dog-Brötchen kredenzt habe, nicht ebenfalls gut gewesen wäre: Rum statt Vanille, nur Rosinen statt Rosinen und Mandeln. Von hier aus ist das nächste Mövenpick schließlich weit.


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Mittwoch, 24. September 2014

Play it again, Sam: Kürbis-Karotten-Mac'n'Cheese

Obwohl „würde ich wieder machen“ definitiv ein Auswahlkriterium ist, bevor ein Essen im Blog landet, passiert dieses „wieder“ ausgesprochen selten. Die Konkurrenz mit neuen Gerichten, die „Probier' mich – jetzt!“ schreien, ist einfach zu groß. Von Klassikern wie der Tomatensauce, schnellen Keksen und diversen Brötchensorten mal abgesehen, bleibt vieles hier Eintagsfliege. Schade eigentlich.

Und umso erstaunlicher, wenn es ein Rezept dann doch ein zweites Mal in die Küche schafft: Michas Kürbis-Mac'n'Cheese habe ich vor knapp zwei Jahren schonmal gekocht und war höchst angetan: Herrlich cremig, unheimlich aromatisch – ein Wohlfühlessen durch und durch. Sogar der Kerl, dem Kürbis normalerweise eher suspekt ist (auch, wenn er ihn schon in diversen Varianten mit  Genuss vertilgt hat), bekundete sein Gefallen.

Als ich diese Tage auf der Suche nach einem Abendbrot durch meine Bildersammlung scrollte, blieb mein Blick wieder hängen. Pasta, Kürbis, Kräuter, Käse – perfekt.
Diesmal sind sogar die Bilder was geworden – darum, mit Anpassungen an die hiesige Vorratslage:


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Sonntag, 21. September 2014

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Mailänderbrötchen über Nacht

Statt des versprochenen Sonnenscheins ein dichtes Grau in Grau. Statt der geplanten Wanderung ein Kerlebein in Gips.
Es ist alles ein bisschen anders gekommen als gedacht. Schade, aber vielleicht auch nicht schlecht. So bleibt Zeit zum Ausschlafen. Zum Aussuchen von Fotos für die Schlafzimmerwand. Für lange Frühstücke.
Lutz' Mailänderbrötchen sind eine echte Entdeckung: Um Mehl mit niedrigen Typenzahlen mache ich sonst eher einen Bogen, aber hier hat es seine volle Berechtigung: Flaumige Krume, knusprige Kruste, fantastischer Geschmack. Einen Teil davon habe ich trotzdem durch Vollkornmehl ersetzt, ohne, dass das Ergebnis etwas von diesen idealen Frühstückseigenschaften eingebüßt hätte. Gibt's wieder!



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